Hannes Stein 30.01.2007 14:15 +Feedback
Ist Ayaan Hirsi Ali eine Fundamentalistin?
Nicht nur der Mörder von Theo van Gogh—auch der verdienstvolle liberale Essayist Timothy Garton Ash hat Ayaan Hirsi Ali als “Fundamentalistin der Aufklärung” bezeichnet.
Pascal Bruckner nimmt sie in diesem Originalbeitrag für den “Perlentaucher” gegen den Angriff in Schutz: “Der Multikulturalismus ist ein Rassismus des Antirassismus”, schreibt er. “Er kettet die Menschen an ihre Wurzeln.” Und: “Ist es nicht seltsam? 62 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs und 16 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer hat ein wichtiger Teil der europäischen Intellektuellen nichts besseres zu tun, als die Freunde der Demokratie anzuschwärzen. Sie wollen, dass wir nachgeben, zurückweichen, sie propagieren eine Aufklärung light. Dabei sind wir noch weit entfernt von den ungleich dramatischeren Umständen der dreißiger Jahre, als sich die besten Köpfe im Namen von Rasse, Klasse oder Revolution Berlin oder Moskau in die Arme warfen. Die heutige Gefahr ist diffuser, zersplitterter. Da gibt es nichts, was der übermächtigen Gefahr des Dritten Reiches ähnlich wäre. Selbst das Regime der Mullahs in Teheran ist ein Papiertiger, den ein Mindestmaß an Härte in die Knie zwingen würde. Und doch wimmelt es nur so von Priestern der Erschlaffung ... Eine Kultur des Muts - vielleicht ist es das, was unseren Seelsorgern fehlt. Sie sind die Symptome eines müden und von Selbstzweifeln geplagten Europas, das beim leisesten Alarm in Deckung geht. Hinter ihrer klebrigen Gutmenschenrhetorik spielt eine andere Musik: die der Kapitulation!” Ich finde diesen Essay im großen Ganzen ziemlich großartig—hier ist er. Und dort eine Antwort von Ian Buruma.
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n): Kultur

