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  05.01.2009   17:43   +Feedback

In Deutschland wächst der Klima-Realismus

Auf der Titelseite der Hannoverschen Allgemeinen von heute (5. Jan 2009) schreibt Margit Kautenburger einen bemerkenswert nüchternen Kommentar zum Thema Klima-Alarmismus:

Alarm, Alarm

Von Margit Kautenburger

Zum Jahreswechsel haben führende Klimaforscher die Zukunft der Erde in den düstersten Farben ausgemalt. Der Klimawandel, so heißt es in den neusten Prognosen, verlaufe noch schneller und dramatischer als gedacht. Die Destabilisierung des Weltklimas sei viel weiter fortgeschritten, als die meisten Menschen und Regierungen denken, warnt etwa der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber. Nach seinen Erkenntnissen schmilzt das Arktiseis, die Emissionen steigen weltweit an, ebenso Temperatur und Meeresspiegel.

Keine Denkverbote

Offenbar werden die Vorhersagen der Klimaschützer umso alarmistischer, je stärker sie ihren Einfluss auf die Politik gefährdet sehen. Denn im Zuge der Weltwirtschaftskrise ist das Interesse an den Weltuntergangsszenarien etwas abgekühlt. Beim Streit um das EU-Klimapaket wurde deutlich, dass Klimaschutz schnell an seine Grenzen stößt, wenn Unternehmen schmerzhafte Auflagen drohen.

„Klimakanzlerin“ Angela Merkel (CDU) und ihr Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), die noch vor einem halben Jahr keinen Widerspruch zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum sehen wollten, vollzogen plötzlich eine Kehrtwende zugunsten von Schwerindustrie und den Herstellern spritfressender Wagen aus dem Premiumsegment.

Ob die Strategie der Mahner und Warner aufgeht, mit immer neuen Schreckensgemälden dagegenzuhalten, ist indes fraglich. Ermüdung und Abstumpfung drohen, und die Glaubwürdigkeit leidet, wenn sich am Ende alles weniger dramatisch erweist und die Fachleute zurückrudern müssen.

Bislang werden die Katastrophenmeldungen von Politikern und Medien noch kaum hinterfragt. Doch in jüngster Zeit melden sich verstärkt jene Wissenschaftler zu Wort, die Zweifel an der „CO2isierung“ haben. Sie vermuten beispielsweise, die Sonne bestärke das atmosphärische Geschehen weit stärker als das Gas Kohlendioxid, das nach herrschender Meinung zum Großteil an der Aufheizung der Atmosphäre Schuld sein soll.

Geoforscher aus Hannover verweisen auf gewaltige Klimasprünge in der Erdgeschichte, angesichts derer die heutige Erwärmung keineswegs beispiellos ist. Und auch für die vorhergesagte Zunahme schrecklicher Stürme, mit der Al Gore seinen Film „Global warming“ bewarb, gibt es nach ihren Studien bislang keinen Nachweis. So stellten Forscher der Florida State University fest, dass es 2007 und 2008 die geringste Hurrican-Aktivität in der nördlichen Hemisphäre seit 30 Jahren gegeben hat.

Über die künftige Klimaentwicklung herrscht also im Grunde noch immer große Unsicherheit. Das Klimageschehen ist äußerst komplex, entsprechend schwer ist es, das chaotische Geschehen mit Rechenmodellen vorherzusagen. Bei der zu erwartenden Erwärmung reichen die errechneten Korridore von 1,8bis fünf Prozent. Aber die Forscher müssen einräumen, dass sie nicht sagen können, welcher Fall wahrscheinlicher eintritt, der schlimmste oder der harmloseste.

Diejenigen, die solche Unsicherheiten abstreiten und Skeptiker als „Leugner“ oder „Ketzer“ anprangern, müssen sich fragen lassen, ob hinter ihrer Schwarzmalerei vielleicht ein gehöriges Quantum Eigeninteresse steckt. Nicht zuletzt geht es um die Verteilung von Millionen für die Forschung.

Denkverbote haben noch keiner Wissenschaft gutgetan. Wichtig ist eine offene Diskussion über Ursachen der Erwärmung, die ja niemand abstreitet, und über die richtigen Lösungsstrategien. Fatal wäre es, wenn Milliarden in Projekte gesteckt werden, die am Ende wenig bringen. Zu denken ist dabei etwa an die aufwendige Abscheidung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken und dessen Verpressung in Gesteinsschichten.

Die Ziele stimmen

Man darf gespannt sein, wie sich die Debatte um den Klimawandel entwickelt. Auf jeden Fall aber hat sie ihr Gutes: Sie hat die Weltgemeinschaft aufgerüttelt. Auch der neue US-Präsident Barack Obama will im Energieverschwenderland Nummer eins nun Kurs nehmen auf eine Gesellschaft, die die Lebensgrundlagen bewahrt. Auch wenn der Mensch weniger zur Erwärmung des Planeten beitragen sollte als gedacht – Investitionen in erneuerbare Energien, in saubere Kraftwerke und Industrieanlagen, spritsparende Autos, gut isolierte Gebäude sind schon wegen der zur Neige gehenden Rohstoffe unverzichtbar. Die Ziele stimmen, sie sollten nicht durch einen sich abnutzenden Klima-Alarmismus gefährdet warden.

(Dr. Benny Peiser)


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Kategorie(n): Kultur  Wissen 

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