03.01.2013   01:40   Leserkommentare (0)*

Im Zweifel links von Ramallah

Jetzt hat es Jakob Augstein, Sohn von Rudolf Walser, tatsächlich in die Bestenliste des globalen Antisemitismus geschafft. Dabei ist nicht wirklich klar, womit er das verdient hat. Was er über den Nahostkonflikt schreibt, ist unter deutschen Journalisten doch ziemlicher Mainstream. Israel ist das Hauptproblem für den Frieden und Gaza das Warschauer Ghetto unserer Zeit. Auch führende Sozialdemokraten werfen dem jüdischen Staat eine Apartheidpolitik vor, ehe sie ihre gemeinsamen Werte mit der Fatah entdecken. Jakob Augstein hat dem in seiner Kolumne “Im Zweifel links” nichts Neues hinzugefügt, das vorhandene Material nur vielleicht eine Idee plumper wiedergekäut als es andere Publizisten machen.

Eine seltsame Faszination stellen für diese Leute immer „die Siedlungen“ dar. Zwar wird manchmal auch noch zusätzlich von „illegalen Siedlungen“ gesprochen, aber wohl nur dem dramatischen Klang wegen. Fakt ist jedenfalls, dass aus deutscher Sicht „jüdische Siedlungen“ grundsätzlich den Frieden verhindern. Da kann Assad in Syrien Massaker an Zivilisten durchführen lassen oder in Ägypten ein religiöser Fanatiker die Weichen auf Gottesstaat stellen, alles nicht so schlimm wie die Tatsache, dass auf einem Hügel im Westjordanland ein paar neue Wohnungen gebaut werden.

Dabei ist es sicher richtig, dass diese Baumaßnahmen den Frieden nicht wirklich näher bringen. Aber es ist mir trotzdem gleichgültig und ich kann auch erklären warum: In der palästinensischen Gesellschaft wird den Kindern von klein auf eingeimpft, die Juden (nicht Israelis, sondern die Juden!) zu hassen. Kinder spielen die Entführung von Soldaten nach, es wird vom bewaffneten Kampf geschwärmt, vom Märtyrertod und der Vernichtung der Zionisten. Wer besonders viele israelische Zivilisten ermordet hat, bekommt Straßen und Plätze nach sich benannt. Wie soll mit einer Gesellschaft, der seit Jahrzehnten jede Form der Empathie mit der Gegenseite ausgetrieben wird, Frieden geschlossen werden? Selbst der „gemäßigte“ (nicht vom Wähler legitimierte) Präsident Abbas bringt es nicht über sich, vom jüdischen Staat Israel zu sprechen.

In Deutschland bestätigt man sich zwar immer wieder „wehret den Anfängen“, ignoriert dann aber diese judenhassende Gehirnwäsche, die von Fatah (dem SPD-Kumpel) und Hamas gleichermaßen durchgeführt wird. Stattdessen wird auf Israel gezeigt und dem Bau irgendwelcher Wohnungen die Hauptschuld daran gegeben, dass es nichts wird mit dem Frieden. Dabei kann man Häuser abreißen, den Hass aus den Köpfen ganzer Generationen bekommt man nicht so schnell heraus. „Gerade wir als Deutsche“ müssten das wissen und dennoch wird nichts unternommen gegen die „Tod den Juden“-Rhetorik der palästinensischen Seite. Im Gegenteil wird diese sogar von der Bundesrepublik Deutschland mit Milliarden-Beiträgen gefördert. Es ist diese Entmenschlichung der Israelis/Juden, die den Frieden verhindert, nicht die jüdischen Siedlungen. Und die Propaganda leistet ganze Arbeit, oder gibt es palästinensische Literatur, Fernsehserien oder Lieder, in denen Empathie mit Israelis gezeigt wird bzw. diese als normale Menschen vorkommen?

Vielleicht schreibt Jakob Augstein mal so einen Roman und lässt ihn ins Arabische übersetzen: „Im Zweifel links von Ramallah“.

Gideon Böss schreibt für DIE WELT den Blog Böss in Berlin und twittert unter twitter.com/GideonBoess

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