20.09.2008   04:52   +Feedback

Ihre Bank

Falls unsere westliche Welt tatsächlich zugrunde gehen sollte, dann wird dies wahrscheinlich wegen des Leichtsinns geschehen, mit dem wir mit ihr umgehen. Was weder Faschismus noch Kommunismus oder der Islamismus bisher vermochten, das wird unter Umständen unsere Gedankenlosigkeit erreichen. Was kein Terror, kein Lager und kein Dschihad auf Dauer durchsetzen konnten, das schaffen wir, die Guten, mit links und mitten im sozialen Frieden.

Ein Grundgestus dieser obskuren Verschwörung gegen uns selbst ist die allgemeine Verharmlosung, die uns alles zum Spiel werden lässt. Eine Öffentlichkeit, in der das Vernichten von 350 Millionen Euro durch eine fahrlässige Transaktion als Überweisungspanne bezeichnet werden kann, ist keine. Sie kommt ihrer Aufgabe als Regulator der Gefahrenquellen längst nicht mehr nach. Zumal, wenn man bedenkt, dass es sich im vorliegenden Fall um eine Staatsbank handelt, und das vernichtete Geld aus öffentlichen Mitteln stammt, aus den Steuerbeiträgen der Bürger.

Wer hat die Unsumme nun eigentlich überwiesen? Wohl der Computer, wenn man der Rechtfertigungsstrategie des Vorstands der Bank folgt. Aber wenn der Computer überweist, wozu hat die Bank dann noch einen Vorstand, und wozu auch noch einen Aufsichtsrat? Damit alles seine Ordnung hat oder bloß der Form halber, und weil die Betreffenden ja auch noch was verdienen wollen?

Immerhin, drei Leute aus der Unternehmensspitze mussten jetzt gehen, warum aber nicht der ganze Kegelverein? Und warum nicht der Chef der computergesteuerten Bank? Ist er denn für gar nichts verantwortlich, für rein gar nichts zuständig?

Oder kann man es sich nicht leisten, mehr als drei Leute zu entlassen, weil sonst die Abfindungen zu teuer kommen? Denn, egal was die Betreffenden angerichtet haben, eine satte Abfindung steht ihnen sicher zu. So will es allein schon das Gesetz. Und an dieser Stelle nehmen wir das Gesetz genau. So genau wie möglich. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat. Zumindest, wenn es um unsere Ansprüche geht. Wie aber verhält es sich mit den Pflichten, die sich aus einer Führungsaufgabe ergeben? 

Der Finanzminister bemängelte, das Krisenmanagement habe nicht funktioniert. Nein, Herr Minister, nicht das Krisenmanagement sondern das Management selbst. Nur durch unser mangelhaft gewordenes Arbeitsethos ist es zu erklären, dass bald nichts mehr funktioniert, dass man für alles eine Verdoppelung braucht. Eine Art Schattenkabinett, dass das Schlimmste verhüten soll, aber auch nicht mehr taugt als die eigentliche Führungsriege, die sich schadlos hält, an dem ihr Anvertrauten. Zeit, einige Nichtstuer zur Ordnung zu rufen und in die Pflicht zu nehmen. Zeit auch vielleicht, um ein Exempel zu statuieren. 


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Kategorie(n): Inland  Wirtschaft