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  31.07.2011   09:29   +Feedback

Ich hab da mal ne Frage

Ulrich Sahm

All die lieben Freunde, von Broder bis Tilman Tarach und viele andere, machen sich die Mühe, das 1500 Seiten lange wirre Manifest eines ekelhaften Massenmörders durchzuarbeiten, wohl in der Absicht, daraus ein weltanschauliches Phänomen herauszudestillieren, das uns alle persönlich beunruhigen und betreffen sollte.

Entsprechend der Menge der Postings und Artikel habe ich das Gefühl, als seien dazu schon mehrere Doktorarbeiten geschrieben worden.

Und nun meine Frage: wer von all den Gut- oder auch Schlechtmenschen hat eigentlich mit genau der gleichen Intensität und der gleichen persönlichen Betroffenheit die Bekennerbriefe der islamischen Massenmörder, von Osama bin Laden bis hin zu den Bombern in Bagdad, die an manchen Wochenenden Hunderte von Menschen ermordeten, genauso intensiv untersucht?

Ich war erstaunt zu erfahren, dass es angeblich bis vor etwa einem Jahr nicht einmal eine zuverlässige Übersetzung der Hamas-Charta ins Deutsche gab, die für den Tod von über tausend Menschen verantwortlich ist.

Die islamistischen Terroranschläge sind längst zu einem weltweiten Phänomen geworden, von New York über Buenos Aires, Spanien, London bis nach Mumbai. Palästinensischer Terror hat seit Ende der sechziger Jahre die ganze Welt verändert: siehe die Sicherheitsvorkehrungen auf den Flughäfen oder in Deutschland die Maßnahmen vor Synagogen. Aber anstatt sich mit deren Mordlust auseinander zu setzen, wurden deren “Freiheitskampf” verherrlicht.

Niemand redete darüber, dass Deutschland bis 1990 “besetzt” war, und dass sich trotzdem kein Bayer in Polen auf einem Marktplatz sprengte. Juden hatten gewiss viele Gründe, sich an den Deutschen zu rächen, aber wie viele Fälle von tatsächlicher Rache gab es?  Und wenn jemand in Israel Hass gegen Deutschland empfand, machten Spiegel und Stern gleich Titelgeschichten daraus.

Redaktionen bestellten bei mir Geschichten zu der Bestellung deutscher Pässe an der Botschaft in Tel Aviv von Nachkommen deutscher Juden. Die allermeisten wollen den Pass, um billig in Deutschland studieren zu können und für die USA kein teures Visum zu benötigen. Aber was wollten die Redaktionén? Dass “viele” Israelis die Möglichkeit haben, rechtzeitig zu fliehen, ehe Israel zerstört wird. Diese Schlussforderung gilt für einige Tausend von etwa 7,5 Millionen Israelis. Aber das reicht für eine Geschichte.

Und nun hat ein durchgeknallter Norweger ein konfuses Manifest geschrieben, etwa 90 Menschen umgebracht - in Syrien sind es schon weit über 1700, in Ägypten waren es über 800, in Israel über tausend während der Intifada, in Bagdad zählt niemand mehr, in Pakistan und Afghanistan weiß es niemand, die Liste ließe sich beliebig verlängern. Der Norweger erhält in Deutschland mehr Aufmerksamkeit als inzwischen Tausende Tote des “Arabischen Frühlings”. Gibt es eigentlich gar keine Proportionen mehr? Wo bleiben all die tollen Menschenrechtsaktivisten?

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Kategorie(n): Ausland 

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