Gastautor 15.03.2010 18:47 +Feedback
Himmel und Hölle
Von Ingo Langner
Als das Berliner Canisius Kolleg die hauseigenen Mißbrauchsfälle öffentlich machte, mußte man nicht lange warten, bis die üblichen Verdächtigungen, die Systemfrage stellten. Nicht der einzelne Täter wurde schuldig gesprochen, sondern „die Katholische Kirche“. Die Gleichung lautete: repressive Sexualmoral plus Zölibat befördert Mißbrauch. Zumindest zwischen den Zeilen klang das wie: also muß diese Kirche weg. Oder im Jargon aus anderen Tagen einst im Mai: „Hau weg den Scheiß!“.
Diese Forderung ist nicht neu. Schon bald nach dem ersten Pfingstfest vor knapp zweitausend Jahren konnte man sie hören. Ihr erstes Opfer war ein gewisser Stephanus. Er wurde gesteinigt. Übrigens in Jerusalem. Wem dieser Rückblick zu lange zurückreicht, möchte sich vermutlich auch nicht gerne an die Jahre 1789ff erinnern lassen. Zu den ersten in Paris Guillotinierten gehörten Priester und Nonnen. Die Herren aus dem Jakobinerclub setzten bekanntlich auf die Vernunft allein. Als Erfinder des Tugendterrors haben sie Nachfahren auch heute noch.
Von Napoleon wird diese Anekdote überliefert: Der Korsenkaiser zu einem Kardinal: „Ich werde die katholische Kirche vernichten!“. Die Antwort war ziemlich lakonisch: „So? Das haben ja noch nicht einmal wir geschafft.“ Womit wir Wesentliches schon über die naturgemäßen Mängel des irdischen Personal gesagt haben und an dem springenden Punkt angelangt wären klarzustellen, daß die römisch-katholische Kirche keine moralische Anstalt ist. Ihre Aufgabe ist es auch nicht, durch Ge- und Verbote das Paradies auf Erden zu schaffen. Dafür sind immer noch die Kommunisten zuständig.
Diese Kirche ist kein weltlicher Verein und keine politische Partei. Nach eigenem Selbstverständnis ist sie die Kirche Christi. Dessen Vermächtnis hat sie getreulich und unverkürzt durch alle Zeiten zu tragen. Ihre Kernbotschaft ist diese: sie soll jedem einzelner Menschen den endgültigen Weg nach oben zu weisen. Mit anderen Worten: Es geht um die alles entscheidende Frage, wie man nach dem Tod in den Himmel kommt und nicht auf ewig in der Hölle landet. Das Rezept dafür besteht aus neun Worten. Denn ER hat gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.
Wer das für Mumpitz oder Drohbotschaft hält oder glaubt, mit Anti-Aging sei es auch schon getan: bitteschön, jeder soll meinen, nach seiner Fasson selig werden zu können. Nur sei auch eines hier klargestellt: Reklamationen nach dem letzten Schnaufer werden nicht mehr angenommen. Die Umkehr muß schon noch zu Lebzeiten erfolgen.
Warum so wenigen Menschen diese prinzipiell doch eigentlich leicht faßlichen und seit zweitausend Jahren unermüdlich verkündeten Essentials unbekannt zu sein scheinen – vor allem Medienschaffende gehören offenbar zu den besonders Schwerhörigen – ist ein weites Feld. Eines jedenfalls ist klar: das Ding mit der angeblich menschengemachten Klimakatastrophe ist wesentlich komplizierter.
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Kategorie(n): Kultur


