Richard Wagner 21.01.2010 18:31 +Feedback
Hilal Sezgin im Kontext
„Die Zeit“- Autorin Hilal Sezgin beschwert sich über den Perlentaucher. Ja, mehr noch, sie sagt, sie beginne ihn zu hassen. Was stört Frau Sezgin am Perlentaucher? Angeblich würde das morgendliche Digest des kulturellen Lebens alle Kontexte entstellen, man werde also quasi gezielt falsch informiert, um nicht zu sagen, um das Feuilletonvergnügen gebracht.
Wer aber zwingt Hilal Sezgin den Perlentaucher zu lesen? Ihre schlechte Laune könnte sie sich doch auch woanders holen, wenn sie unausgeschlafen in aller Herrgotts-und Allah-ist-groß-Frühe am Küchentisch sitzt, die letzte Ausgabe der eigenen Zeitung im Arm. Muss dazu wirklich der Fernseher laufen, und statt auf 3sat partout auf Sat eins? Muss er nicht. Fernseher ausschalten, das ist bekannt, auch als Kulturreflex, und den Perlentaucher muss man gar nicht erst aufrufen. Auch das ist eine Möglichkeit.
Hilal Sezgin regt sich über den Perlentaucher angeblich so auf, weil sie eine richtige Journalistin ist und den richtigen Journalismus durch die Perlentaucher- Leute geschädigt sieht. Das ist nicht neu. Aber was für ein Grund ist es? Ist es einer? Oder ist der wahre Grund woanders zu suchen? Im vorliegenden Fall finden wir die entscheidende Spur erst im letzten Drittel des Artikels, denn dort kommt die Frau endlich zur Sache, zu ihrem Anliegen.
Sie schreibt: „In politischer Hinsicht verfolgt der Perlentaucher eine Richtung, die ihn in bedenkliche Nähe zu manchen agitatorischen Websites bringt. Insbesondere beargwöhnt er den Islam und gefällt sich darin, Essays zum Kulturkampf als erkenntnisfördernd zu präsentieren“. Und weiter: „Über manche Bemerkungen des Perlentauchers zum Islam habe ich mich dort bereits beschwert. Die Mitarbeiter sind freundlich, doch agieren sie wie ein undurchdringliches Kollektiv“.
Warum nicht gleich so Frau Sezgin? Kritische Islamberichterstattung macht also schlechte Laune. Ihre Sache. Warum auch sollte man jemanden, der davon träumt, in einem Flugzeug zu sitzen, das in der nächsten halben Stunde in der Luft gesprengt wird, davon abbringen wollen? Doch warum müssen jene, die das nicht im Sinn haben, gleich als schlechte Schreiber gelten?
In Wirklichkeit ruft Hilal Sezgin nach etwas ganz Banalem, nach der Zensur. Ihr kompletter Artikel hätte im Übrigen vor 30 Jahren auch im „Neuen Deutschland“ erscheinen können, vorausgesetzt das Wort „Islam“ und alle damit verbundenen Epitheta wären durch „Kommunismus“ und das dem entsprechende Wortfeld ersetzt worden. http://www.zeit.de/2010/04/Perlentaucher
Siehe auch:
Bevorzugte Themen der freien Autorin sind Feminismus, Islam und Islamophobie in Europa, Tierrechte und Tierethik
http://de.wikipedia.org/wiki/Hilal_Sezgin


