Bernd Zeller 20.03.2010 20:43 +Feedback
Hells Angels sind die neuen Opfer
Jetzt geht es also gegen die Rocker, die sind einfach dran, da wird eine richtige Pogromstimmung erzeugt und ein Generalverdacht propagiert gegen alles, was auf zwei Rädern fährt und dabei laut ist. Dabei ist das Rockertum Ausdruck von Identität und einer Kultur, die uns vielleicht fremd erscheint, aber tief verwurzelt ist, weswegen wir den Rockern nicht einfach unsere Kultur überstülpen können.
Kein Vorurteil scheint zu billig, um es nicht zur Hetze zu benutzen. Satzungsgemäß muss jedes Hells-Angels-Mitglied mindestens drei Pumpen haben, was durch einen Übersetzungsfehler als Waffen ausgelegt wird, um es gegen alle Motorradfahrer zu benutzen. Dabei sind die meisten Rocker noch nie straffällig geworden. Ausgrenzung ist deshalb das völlig falsche Signal, und gezielte Aktionen unter dem Deckmäntelchen eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens bewirken nur noch mehr Angst, die in Frust und Gewalt mündet. Dialog muss Vorrang haben, der Rechtsstaat ist stark genug, nicht in Hysterie zu verfallen. Die Spirale der Gewalt muss endlich unterbrochen werden, stattdessen müssen wir die Hells Angels als Realität anerkennen und prüfen, wo wir ihnen entgegenkommen können. Eine Hells-Angels-Konferenz im Kanzleramt kann die gemäßigten Kräfte unterstützen. Ein Schritt wäre, die Mitgliedschaft bei den Hells Angels als Fahrprüfung anzuerkennen.
Auf der Autobahn sollten wir den Rockern mehr Respekt entgegenbringen, ist doch ihr Verhalten Ausdruck des Verlangens nach mehr Aufmerksamkeit. Aber niemand will ihnen zuhören.
Zudem ist es nicht richtig, von „den“ Rockern zu reden; es gibt viele Strömungen, von denen Hells Angels und Bandidos die größten sind und sich unversöhnlich gegenüberstehen, weshalb hier keine Gleichsetzung vorzunehmen ist.
Der Mann, der durch seine Tür geschossen hat, befand sich bei sich zu Hause, also in einem vom Grundgesetz geschützten Raum. Wir dürfen nicht den Rechtsstaat aushebeln, nur um vermeintlich mehr Sicherheit zu erzeugen auf Kosten der Freiheit von Verdächtigen, für die wie für alle die Unschuldsvermutung zu gelten hat.
Hasstiraden jedenfalls würden die Sache nur verschlimmern. Unter Rockern macht sich Verunsicherung breit. Wir kennen Rocker, die haben jetzt alle Angst vor Überreaktionen. Der Junge an der Ecke, der nur an seinem Mofa herumschrauben will, muss sich doch fragen, ob er überhaupt noch aufsteigen kann, ohne dass gleich ein Sondereinsatzkommando sein Zimmer durchsucht.
Klar ist, dass die Vorbehalte gegen Hells Angels geschürt werden, um von eigenen Problemen abzulenken.
Wenn erst Motorräder brennen, will es wieder keiner gewesen sein.
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Kategorie(n): Kultur


