Vera Lengsfeld 24.10.2011 13:39 +Feedback
Gysi klagt mal wieder
Lange nichts gehört von Linke- Bundestagsfraktionschef Gysi. Auf dem letzten Parteitag der Linken konnte er nicht so recht glänzen. Als Feuerwehr gegen Gaga- Delegiertenbeschlüsse wie die Legalisierung von Heroin macht man eben keine gute Figur.
Nun hat er sich mit einer alten Masche wieder ins Gespräch gebracht. Er klagt gegen den NDR, der sich auf Bitten zahlreicher Zuschauer entschlossen hat, den Anfang diesen Jahres ausgestrahlten Film von Silke König und Hans-Jürgen Börner „Die Akte Gysi“ zu wiederholen. Das will Gysi verhindern.
In diesem Film kommen mehrere Menschen zu Wort, die berichten können , dass Gysi als ihr Anwalt nicht in ihrem Interesse, sondern im Interesse der Staatssicherheit gehandelt hat.
Ich gehöre dazu. Ich habe Gysi im Februar 1988 als Gefangene der Stasi erlebt, als es darum ging, die letzten Hindernisse für meine geplante Abschiebung in den Westen zu beseitigen. Er war nicht mein Anwalt. Er hatte auch kein Mandat meines damaligen Mannes. In wessen Auftrag war Gysi also tätig? Da bleibt nur eine Möglichkeit: der Stasi.
Eine Woche nach Ausstrahlung der Dokumentation erschien im Focus ein Artikel über meine Geschichte unter der Überschrift: „Kaffee kochen bei der Stasi“.
Gysi beantwortete die entscheidende Frage des Redakteurs nicht, schickte aber einen Brief, in dem er mit rechtlichen Schritten im Falle der Veröffentlichung des Artikels drohte. Als das Stück dennoch erschien, verzichtete Gysi lieber darauf, vor Gericht zu ziehen. Warum?
Es hätte ein so genanntes Hauptsache-Verfahren geben müssen, bei dem auch Zeugen vernommen werden. Das scheut Gysi wie der Teufel das Weihwasser.
Genauso wenig will Gysi mit Freya Klier oder mir in einer Talkshow diskutieren. Denn da könnte sich schnell herausstellen, was bereits 1998 der Immunitätsausschuß des Deutschen Bundestages, der die Stasiverstrickungen von Gysi untersuchen musste, in seinem Abschlussbericht festgestellt hat: dass die Stasimitarbeit von Gregor Gysi „erwiesen“ ist. Es wird Zeit, dass diese Botschaft endlich in der Öffentlichkeit ankommt.


