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  01.10.2008   16:06   +Feedback

Grüner Strom und weiche Birnen. Der Bundestag leuchtet öko

Natürlich ist es, nach einem Wort von Dieter Bohlen, ganz unmöglich, einem Bekloppten klarzumachen, dass er bekloppt ist. Insofern ist es auch müßig, einem Beklopptenblatt andauernd nachzuweisen, dass seine Redakteure von nichts eine Ahnung haben und nur Murx zustande bringen. So was mag ein netter Zeitvertreib für beruflich unterforderte Korinthenkacker sein, mehr aber auch nicht. Dennoch, eine Meldung von Bild Hamburg vom 1.10. soll hier gewürdigt werden. „Hamburger Öko-Strom beleuchtet Bundestag“, titelt Bild und schreibt, der hanseatische „Ökostromanbieter“ Lichtblick habe den Zuschlag für die Belieferung von Bundestag, Reichstagsgebäude, den Abgeordnetenbüros und dem Deutschen Dom bekommen. Lichtblick werde tatsächlich zu „100 Prozent Ökostrom“ liefern, nicht den üblichen Strommix aus Atom, Kohle und einer Prise erneuerbarer Energie…

Na prima, denkt man, dann sitzen die in Berlin eben öfter mal im Dunklen. Vielleicht geht ihnen dann ein Licht auf, was die Effizienz von Wind- und Solarenergie betrifft. Zwei Absätze später wird der Rosstäuschertrick offenbar, den die Abgeordneten ebenso willig gekauft haben wie die einfältigen Bildredakteure. Der grüne, „erneuerbare“ Politikerstrom stammt zu sage und schreibe 17 Prozent aus der ständig schwankenden Solar- und Windkraft, zu 83 Prozent aber aus der stabilen Quelle Wasserkraft made in Norway. Stromimporte aus dem Land der Trolle, das sich hundertprozentig aus seiner Wasserkraft versorgen kann und darüber hinaus noch Energie übrig hat, gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten.

Strom aus den 133 norwegischen Wasserkraftwerken ist wesentlich billiger als der aus den paar deutschen, hoch subventionierten Wasserkraftwerken. Indem man norwegischen Strom mit dem heimischen, hoch subventionierten, aber nur marginal nützlichen Solar- und Windstrom zusammenschummelt, entsteht ein einigermaßen akzeptabler Strompreis. Und für die Abgeordneten und ihre bedauernswerten Wähler der betörende Eindruck, man ernte nun die süßen Früchte des Gesetzes über die Erneuerbaren Energien (EEG). Seit den Ablassbriefen zu Luthers Zeiten ist das schlechte Gewissen der Menschen nicht mehr derart trickreich zu Geld gemacht worden. Lichtblick wird bis Ende 2009 stolze 31 Millionen Kilowattstunden nach Berlin verticken. Die Chefs können sich schon mal neue Dienstwagen bestellen. Aber Marke Toyota Prius, bitte!

Lichtblick ist übrigens jener zwielichtige Ökostromdealer, der vor nicht langer Zeit zugeben musste, Atomstrom an der Leipziger Börse zugekauft und seinen naiven Kunden untergeschoben zu haben. Wenn man sein Kleingedrucktes liest, stößt man auf zahlreiche Klauseln, aus denen hervorgeht, dass eben doch böser, böser Atom- und Kohlestrom zu den grünen Jungs fließt. Zitat: „Leitungsverluste im Stromnetz (marginaler Einfluss auf Strommix): Die bei der Stromversorgung auftretenden Netzverluste werden gesetzlich vorgeschrieben durch die Netzbetreiber ebenfalls in nicht regenerativer Qualität ausgeglichen. Die Kompensation von Leitungsverlusten durch regenerativen Strom bietet derzeit kein Netzbetreiber an“.

Apropos Netzverluste. Ausländische Wasserkraftwerke liegen zwischen 600 und 1200 Kilometer vom Zentrum Deutschlands entfernt. Bei einem durchschnittlichen Leitungsverlust von einem Prozent auf 100 Kilometer bedeutet das: sechs bis zwölf Prozent des erzeugten Stroms kommen in Deutschland gar nicht an, sondern gehen als Wärme in die Atmosphäre.

Tolle Ökobilanz. Ein echter Lichtblick.

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Kategorie(n): Inland 

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