Fundstück 13.06.2010 12:03 +Feedback
Götz Aly und der Nebel der Erregung
Das Massaker, das himmelhoch überlegene israelische Elitesoldaten gestern an wehrlosen Zivilisten angerichtet haben, ist ein feiges Verbrechen, das kein Recht, kein Kriegsvölkerrecht deckt. Bei aller Liebe zu Israel und seinen Bürgern halte ich die Formel “Unverhältnismäßigkeit der Mittel” für deutlich zu schwach. Das israelische Oberkommando behauptete gestern, die Friedensaktivisten seien mit ein paar Beilen und Messern bewaffnet gewesen. Lächerlich. Eine faule Ausrede. Mögen die Aktivisten tatsächlich diese “Waffen” gehabt und sogar geschwungen haben, sie bedeuten nichts für Spezialeinheiten, die sich monatelang auf solche Einsätze vorbereiten, mit den modernsten Kampfmitteln ausgerüstet und darauf trainiert sind, zum Beispiel israelische Gefangene unverletzt zu befreien.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0601/meinung/0034/index.html
Meine Kolumne “Israelisches Massaker” vom vergangenen Dienstag schrieb ich, nachdem die israelische Armee die Gaza-Flottille am Montagmorgen geentert hatte. Die Nachrichtenlage war unübersichtlich. Die Agenturen sprachen von “über 20 getöteten Aktivisten; im Netz standen Handyfotos der Schiffsdemonstranten, die gut trainierte Soldaten zeigten; die Rede war von “der türkischen Menschenrechtsorganisation”, die den Transport der Hilfsgüter organisiert habe. Die israelische Regierung schwieg, mein Puls stieg. Am nächsten Tag wurde klar, dass ich mich im Informationsnebel erregt hatte.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0608/meinung/0035/index.html
Siehe auch:
Eine seltsame Liebesaffäre
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0518/meinung/0037/index.html
Die Osmanische Union, ein Traum
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0525/meinung/0060/index.html
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Kategorie(n): Inland


