Fred Viebahn 25.08.2011 19:19 +Feedback
Giordano greift PEN an
Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt heute: Um die Vergangenheit der Schriftstellervereinigung Pen während der NS-Zeit in Deutschland ist ein Autorenstreit ausgebrochen. Der in Köln lebende Schriftsteller Ralph Giordano warf am Donnerstag in einer Presseerklärung dem deutschen Pen-Club Geschichtsklitterung vor:> http://www.ksta.de/html/artikel/1314098345340.shtml
Giordanos Stellungnahme im Volltext:
Ich schließe mich dem Protest Günter Kunerts an gegen die Art und Weise, wie der deutsche PEN-Club Geschichtsklitterung treibt. Heißt es doch in seiner Einladung zur Ausstellung “PEN - die internationale Schriftstellervereinigung, ihre deutsche Geschichte, ihre Aufgabe” am 6. September 2011 in Berlin, der deutsche PEN-Club sei 1933 aufgelöst worden. Die Wahrheit ist, daß der von den Nazis gleichgeschaltete deutsche PEN 1934 aus dem Internationalen PEN ausgetreten ist und es über die Geschichte seiner Selbstentleibung nichts, aber auch gar nichts Heroisches zu berichten gibt.
Fahne und Stimme der deutschen Literatur in der Nazi-Ära war vielmehr der damals in England gegründete Exil-PEN, mit international bekannten Mitgliedern wie Heinrich Mann, Ernst Toller und anderen antifaschistischen und demokratischen Literaten.
Dieses “PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland”, über Jahrzehnte geleitet von dem verdienten jüdischen Emigranten Fritz Beer, existiert immer noch, wird aber vom Deutschen PEN notorisch mißachtet. Kein Wunder, denn die im Exil-PEN zusammenge-schlossenen Schriftsteller fordern eine tabulose Aufklärung über die Geschichte des 1948 neu gegründeten deutschen PEN. Eine Forderung, die sich nicht vereinbaren läßt mit der Schmerzlosigkeit, mit der der bundesdeutsche PEN-West und der Ulbricht- und Honecker-hörige PEN-Ost 1998 zusammengeführt worden sind. Eine Schmusekursphilosophie, die zu einem wahren Exodus bekannter Schriftsteller aus dem amalgamierten Deutschen PEN führte. Kein Wunder, daß er an Impetus und Gewicht verloren hat.
“Gegen Abwiegelung und Verdrängung!” - das bleiben Kriterien des Exil-PEN. Gern hätte er sie am 6. September in Berlin selbst öffentlich verfochten. Leider fehlt die Voraussetzung dafür: er ist nicht eingeladen worden.
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