23.11.2012   02:13   Leserkommentare (0)*

Gemäßigte Katholiken

Vor ein paar Wochen machte ein seltsames Mohammed-Filmchen auf YouTube die Runde. Vom Niveau her pendelte er sich irgendwo zwischen Trash-Movies und ZDF-Produktionen wie “Herzkino – Katja Engel” (Inhalt: Christine Neubauer bzw. Katja Engel, evangelische Pastorin, sagt JA zum Leben und ihre Hilfe geht oft über den christlichen Beistand hinaus) ein. Er ist also eine Zumutung. Doch das alleine ist noch nicht interessant, denn auch “Herzkino” wird ausgestrahlt, obwohl es die Gefühle von Millionen Menschen beleidigt.

Nein, entscheidend an diesem Mohammed-Streifen waren die Reaktionen eines Mobs in der islamischen Welt. Dieser wurde organisiert von Fanatikern, die sich seit Jahren im Krieg gegen den Westen und seine Werte wie Gleichberechtigung der Geschlechter und Religionsfreiheit befinden. Dabei wurden Menschen ermordet,  Botschaften angezündet und Fahnen verbrannt. Und die Reaktionen gaben dem Mob recht: In Deutschland verteidigten die Politiker daraufhin nicht etwa die Meinungs- und Kunstfreiheit, sondern stellten fest, dass die Mohammed-Filmemacher mitschuldig an den Morden der Islamisten sind. Man zeigte Verständnis für die „spontanen Demonstrationen“. Sobald Blut fließt, ist man offenbar kompromissbereit und erklärt die Grenzen der Meinungsfreiheit zur Verhandlungssache. Eine Einladung an alle, ihren Willen durch Pogrome und nicht durch zähe Verhandlungen durchzusetzen.

Kurz zuvor machte es der Vatikan völlig falsch, als das Satiremagazin Titanic den Papst verhöhnte. Der Fehler der Katholiken: 0 Tote und 0 brennende Botschaften. So beeindruckt man keine deutschen Bundestagler. So bleibt es bei leeren Worten, die diese Geschmacklosigkeit verurteilen. Mehr ist nicht drin unter diesen pazifistischen Vorzeichen.

Umso größer die Bedrohung, der Hass und die Brutalität einer Bewegung ist, umso eher ist die deutsche Öffentlichkeit bereit, schon vorauseilend Kompromissbereitschaft zu zeigen. „Provokationen“ werden vermieden, der Respekt vor der Kultur des Anderen betont und mit beunruhigender Selbstverständlichkeit die Einschränkung von Grundrechten gefordert. Um nicht zugeben zu müssen, dass man damit die Feinde der Freiheit die Grenzen der Freiheit mit Blut ziehen lässt, verklärt man dieses Einknicken dann damit, dass Freiheit auch mit Verantwortung einhergeht. Man gibt also nicht etwa auf, man trägt Verantwortung. Das klingt doch gleich viel besser.

Gideon Böss schreibt für Die Welt den Blog “Böss in Berlin” (boess.welt.de/) und twittert auf twitter.com/GideonBoess

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