Richard Wagner 05.01.2009 14:08 +Feedback
Gaza und der arabische Mann
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Im Gazastreifen leben, wie es heißt, Millionen Menschen, zusammengepfercht auf einem Kleinstterritorium, de facto in einem Flüchtlingslagersystem. Warum eigentlich gilt, bei allen gegenteiligen Beispielen in Geschichte und Gegenwart, die Territorialfrage als Kriterium der Prosperität?
Nein, Gaza ist nicht Singapur. Das steht fest. Warum aber lässt sich auf 360 km² nicht zumindest ein Bruchteil von dem erwirtschaften, was in Singapur auf 700 km² mit Selbstverständlichkeit geschaffen wurde?
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Im Gazastreifen leben 1,5 Millionen Menschen, in Singapur sind es 4 Millionen. Die Bevölkerungsdichte beträgt in Gaza 4.167 Einwohner pro km², in Singapur 6.225. Der wesentliche Unterschied betrifft die Geburtenrate. In Gaza handelt es sich um eine der höchsten der Welt, in Singapur ist sie niedrig.
Die Geburtenrate in Gaza hat dazu geführt, dass heute mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist. Damit aber ist das innere Gleichgewicht einer Gemeinschaft gekippt. Bei solchen Voraussetzungen können weder Tradition noch Wissen und schon gar nicht Autorität verbindlich vermittelt werden.
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Das Problem der Jugendmehrheit ist nicht, dass sie keine Zukunft hat, sondern dass ihr falsche Vorstellungen von ihren Aufgaben vermittelt werden. Eine Gemeinschaft, die ihr inneres Gleichgewicht eingebüßt hat, kennt nur noch radikale politische Organisationsformen. Die Hamas – der Name ist ein Akronym für islamischen Widerstand, aber auch das arabische Wort für „Eifer“ - hat 2006 im Gazastreifen die Parlamentswahlen haushoch gewonnen. Die von ihr angeführte Liste hieß –man lese und staune - „Change and Reform“.
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Die Entwicklung im Gazastreifen, seit dem Abzug der Israelischen Armee, hat gezeigt, dass es primär um einen innerpalästinensischen Machtkampf geht und nicht um die Befreiung von der israelischen Hegemonie. Der geringe zivile Zusammenhalt der Gesellschaft und die permanente Ideologisierung des Lebensalltags durch den Islam ist in gleichem Maße Voraussetzung und Folge des Machtkampfs.
Der Machtkampf aber erfordert die allgemeine Militarisierung. Die männliche Jugend will ihre Hackordnung. Warum Computerspiele, wenn man Qassam-Raketen abfeuern kann. Fanatismus wird so zum Hobby. Wo und wie aber bitte ist in einer solchen Konstellation der Unterschied zwischen Kombattanten und Zivilpersonen auszumachen?
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Wir haben es mit einer desorganisierten Gesellschaft zu tun. Die Initialbelastung der Verwerfung war die Flüchtlingswelle, nach dem vergeblichen Versuch von 1948 den neugegründeten Staat Israel auszulöschen. Für diese Flüchtlinge wurde nie eine gesamtarabische Lösung gesucht, obwohl der Krieg gegen die Israelis von den arabischen Nachbarstaaten geführt wurde.
Nie ist jemand auf den Gedanken gekommen, die Flüchtlinge auf diese Staaten zu verteilen und ihnen dort Startmöglichkeiten zu gewähren. Das ist so, als würden die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auch heute noch in Friedland oder Nürnberg ausharren, in der Erwartung, dass man demnächst die polnische Grenze erfolgreich überschreiten werde. Im Übrigen sind die jüdischen Gemeinschaften aus allen arabischen Ländern in den fünfziger Jahren vertrieben worden. Hätte man im Gegenzug nicht die Palästinenser aufnehmen sollen?
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Die Palästinenser sind längst zum Opfer ihrer machtgierigen wie korrupten Anführer geworden und diese zum Instrument eines arabisch-islamischen Fundamentalismus, der vor allem das Ergebnis der Unfähigkeit, eine moderne Gesellschaft einzurichten, darstellt. Der gescheiterte arabische Mann, der sein Ego weiterhin in Muskeln bettet, braucht das Palästinenser-Unglück aus dem gleichen Grund aus dem er den Staat Israel, dessen Existenz er gerne in Frage stellt, braucht. Um einen Kriegsschauplatz zu haben, der von seinem eigenen Bankrott ablenken soll.


