Hannes Stein 17.04.2008 02:18 +Feedback
Ganz tolle Nachricht: Gysi erkennt Israel an!
Na schön, Gregor Gysi, der verschiedene Male vor Gericht klären ließ, dass er keinesfalls mit dem Stasizuträger “IM Notar” verwechselt werden möchte, wenngleich er im Interesse seiner Klienten natürlich doch gute Kontakte zur Firma Horch und Guck pflegte—also: Genosse Gysi, erkennt jetzt das Existenzrecht Israels an. Jubel und Tusch! Aber muss der Genosse Gysi dabei so einen abenteuerlichen Unsinn verzapfen?
In seiner Rede behauptet er etwa, die Bundesrepublik habe eigentlich nur aus einem Grund in Nibelungentreue fest zum jüdischen Staat gestanden: weil sie ein Vasallenstaat der USA war. Aber in den Fünfzigerjahren waren die Amerikaner noch nicht besonders proisraelisch. Die Israelis galten damals, vollkommen zu Recht übrigens, als Verein von verstockten Sozialisten. Eisenhower verlangte von der Regierung Adenauer sogar, sie solle die Entschädigungszahlungen an Israel einstellen—Ike war damals ziemlich sauer, weil die Briten, Franzosen und Israelis gemeinsam in den Suezfeldzug gezogen waren (Kriegsziel: “regime change” in Ägypten). Adenauer und Co. weigerten sich entschieden. Sie blechten weiter—gegen den Willen der Amerikaner.
Dann sagt der Genosse Gysi noch, Israel verstoße gegen das Völkerrecht, weil es den Golan und das Westjordanland annektiert habe. Aber bitte: Israel hat das Westjordanland gar nicht annektiert. Frankreich, sagt Gysi, könne es sich moralisch leisten, antiisraelischer zu sein als Deutschland, weil es von der Nazivergangenheit weniger belastet sei. In Wahrheit war Frankreich nach 1967 ganz einfach deshalb antiisraelisch, weil es auf das arabische Ölgeschäft nicht verzichten konnte (außerdem war de Gaulle halt ein mieser Antisemit). Usw. Über solche Kleinigkeiten wie die, dass hier nochmal die leninistische Imperialismustheorie in ihrer ganzen schönen Beknacktheit runtergebetet wird, breite ich großmütig den Mantel meiner liberalen Nachsicht.
Ich gebe aber natürlich zu: Es ist ein enormer Fortschritt, wenn ein Mitglied der “Flat Earth Society” eines Tages aufsteht und zögernd verkündet, die Erde sei—möglicherweise, er wolle da nicht vorschnell festlegen—doch keine Scheibe. Vielleicht (aber er lasse da mit sich diskutieren) sei sie auch so geformt wie ein Osterei.
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