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  11.01.2012   13:17   +Feedback

Frauen, Alkohol und gutes Essen

Die Österreicher brauchen immer etwas zum Jubeln. Mal jubeln sie Diktatoren zu, dann wiederum, in Friedenszeiten, am liebsten ihren Künstlern. Die zweite Variante ist mir lieber. 2012 ist wieder ein großes Jubel-Jahr: Gustav Klimt wäre 150 Jahre alt geworden, aber leider werden Menschen nicht so alt und deshalb wird ihr Geburtstag nur dann nach eineinhalb Jahrhunderten gefeiert, wenn sie wirklich Großes geleistet haben. Kürzlich in Wien, da beklagte eine deutsche Reisende, sie könne überhaupt nicht nachvollziehen, warum Klimt angeblich so berühmt sei; ihr erschließe sich die Kunst in seinen Werken überhaupt nicht, alles sei schön bunt und golden, mehr aber auch nicht. Millionen Menschen in aller Welt sehen das anders, sie kaufen Regenschirme, Aschenbecher, Poster und Halstücher, auf denen der „Kuss“ zu sehen ist, Klimts „Goldene Adele“ gehört zu den teuersten Kunstwerken der Welt.

Am 14. Juli wird Wien Kopf stehen. Und bis dahin bereitet sich die Stadt darauf vor, um danach den großen Tag monatelang ausklingen zu lassen. Menschen aus aller Welt werden sich in diesem Jahr nach Wien aufmachen, um sich auf die Spuren Klimts zu begeben. Zum Glück sind, trotz Restituierungsprozessen, in denen Österreich leider nicht durch diplomatische Fähigkeiten und goldene Wienerherzen glänzte (die Nazis hatten viele Künstler enteignet oder jüdische Kunstsammler mit lächerlichen Geldbeträgen ausgezahlt, die Werke hingen zum Teil in Museen, am Ende siegte, nach jahrelangen Gerichtsprozessen, die Gerechtigkeit).

Wer sich einlesen möchte: http://de.wikipedia.org/wiki/Restitution - noch viele seiner Werke da. Es reicht für rund ein dutzend großer Ausstellungen (http://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/klimt2012/sonderausstellungen-2012 ). Eines der Prunkstücke ist natürlich „Der Kuss“, der im Oberen Belvedere hängt. Nach Jahren der schwarzen Rahmung verpasste man dem Gemälde vor einiger Zeit einen roten Rahmen. Man hätte es auch lassen können, das Schwarz war schöner, aber als Museumsbesucher hat man ja leider kein Mitspracherecht.

Zum Teil werden 2012 in Wien Klimt-Werke, die noch nie gezeigt wurden, präsentiert, zum Beispiel im „Wien-Museum“, dort wurden die Archive durchforstet und die schönsten Zeichnungen des Mannes im weiten Kittel (sein Markenzeichen) ausgewählt. Nur eine wird fehlen, Adele (Bloch-Bauer I, so der korrekte Titel des Kunstwerkes), eines der schönsten Gemälde Klimts, ging im Zuge der Restitutionsprozesse nach Amerika, es war rührend, wie sich die Wiener vor ein paar Jahren mit großen Plakaten von ihr verabschiedeten. „Adele geht“ stand darauf und viele waren wirklich traurig, dass Adele nach Amerika ging.

Was Klimt so urwienerisch macht, steht im – im übrigen sehr schönen, was bei Tourismuskatalogen ja meistens nicht oberste Devise ist – Jahresmagazin „Wien-Jetzt oder nie“. Klimt war vermutlich genau so wie der Rest der Welt sich Wiener vorstellt: „Frauen, Alkohol und gutes Essen. Gustav Klimt war ein Lebemann, wie er im Buche steht“, ist da nachzulesen, „doch er war auch noch etwas anderes: ein Ausnahmemaler, der Wiens Kunstszene um 1900 revolutionierte.“ Seine Idee, das Ornament aus dem kunsthandwerklich-dekorativen Zusammenhang zu lösen und es zu einem autonomen Bildgegenstand zu erheben, war neu und begeisterte die Menschen (anfangs natürlich nicht alle, aber das muss so sein). Alma Mahler-Werfel, selbst kein Kind von Traurigkeit und der Zurückhaltung, sagte über Klimt: „Essen thut er wahnsinnig.“ Was er sonst noch alles that- nicht alles ist dokumentiert.

Das Verruchte, das einen Künstler idealerweise – gut für die PR!- umgibt, wabert bis heute durch Klimts Umfeld. Die einen behaupten, er hätte an Syphillis gelitten, was den Kontakt zu Frauen erschwerte, die anderen weisen das als Blödsinn von sich. Wissenschaftlich bewiesen ist es nämlich nicht (wie auch, der gute Mann ist tot). Wie viele Kinder Klimt zeugte, ist ebenfalls den selbst ernannten Kunstexperten überlassen – eins, drei oder acht, wer weiß das schon. Vielleicht hat auch Klimt nie nachgezählt. Nur eines scheint bewiesen, immer wieder taucht der Name Emilie Flöge, auf, jener Frau, der man, für Wiener Verhältnisse beinahe schon verschämt, den Titel „Lebensmensch“ gab. Also ohne Sex (s.oben), denn angeblich erhörte sie ihn nicht oder vielleicht doch ein bisserl Sex, aber dann safer sex, sofern es den damals schon gab. Der Lebensmensch Emilie Föge war eine erfolgreiche Modedesignerin, ihr Schmuck begeistert noch heute Museumsbesucher, „Die Textilmustersammlung Emilie Flöge“ ist Teil des Klimt-Ausstellungsreigens (Museum für Volkskunde, 25. Mai-14. Oktober 2012). Ich bin auch Emilie-Fan. Sie ist natürlich nicht so berühmt wie Klimt, aber es waren ja auch andere Zeiten, damals.

Silvia Meixner ist Journalistin und Herausgeberin von http://www.good-stories.de

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Kategorie(n): Ausland  Kultur 

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