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  22.07.2009   13:48   +Feedback

Folgen mangelnden Anscheins reduzierter Islamophobie

Ich habe Verständnis für Menschen, die den Islam hassen oder sich davor ängstigen.
Die Emotion ist kein guter Ratgeber. Ich lehne den Islam intellektuell ab.
Solange der Islam das ist, worauf Hamas und Hisbollah sich berufen, was Achmadinedschad an der Macht hält, was die Terroristen leitet, weshalb sich Stadtteiltrottel als Herrenmenschen fühlen, womit Ehrenmorde gerechtfertigt werden, weswegen Vergewaltigungsopfer gesteinigt und hosentragende Frauen ausgepeitscht werden, was die Tötung Ungläubiger verlangt, dann ist nicht zu begründen, warum Angst und Abscheu nicht erlaubt sein sollen, so wie man faschistische Gewaltherrschaft und Sklavenhandel oder Neonazis verabscheut, und wenn es stimmt, dass im Koran sinngemäß steht, gehe deinen Acker pflügen, wenn du Bock hast, dann ist das auch landwirtschaftlich unhaltbar.
Wenn es sich beim Islam um etwas ganz anderes handelt, sieht die Sache anders aus. 

Dazu reicht aber nicht die Formel eines dem Wesen nach friedlichen Kerns, nein, hier kommt es auf die reale Wirkung an. „Gab es auch bei uns“ reicht ebenfalls nicht, weil es nicht um Verrechnung geht.
Den Kritikern Besessenheit zu unterstellen, ist nur logisch. Bezeichnenderweise werden alle Vorbehalte gegen den Islam als im Grunde rassistisch eingestuft. Es gibt kein Gegenstück zur „berechtigten Kritik“. Einen Zusammenhang mit Rasse zu postulieren, impliziert aber die Ansicht: Die sind so aufgrund ihres Wesens, die können nicht anders. Ein aufgeklärtes Menschenbild jedoch steht dem entgegen, weshalb es selbst zur Bedrohung wird. Es ist magisches Denken zu glauben, das Problem wären die, die das Problem benennen und damit verhindern, dass es so schön wird, wie es gemeint ist – andersherum wird es übrigens nicht praktiziert; wenn orientalischerseits die dekadente westliche Kultur kritisiert wird oder das Geldsystem, kommt niemand beleidigt auf den Gedanken, diese Kritik wäre es, die den Dialog mit der Hochkultur und ordentliches Wirtschaften blockiere.

Uns widerstrebt es, etwa im Fall von Ludwigshafen, angesichts der realen Opfer den türkischen Medien und Vertretern, die sich recht unverhohlen einen Anschlag gewünscht haben, Verlogenheit und Instrumentalisierung vorzuwerfen. Die vermeintliche Defensivlage wird derzeit am Kopftuch herbeigezogen mit dem Marwa-Fall, der sich zwar als ungeeignet für Massenhysterie herausstellt, dafür ist eben die späte Reaktion der Kanzlerin jetzt das Zeichen für die herrschende Feindschaft. Wer von den freien Journalisten will schon die Kanzlerin verteidigen, wer käme angesichts des schlimmen Vorfalls darauf zu erwidern: Die Kanzlerin hat Wich-…
Der Fall stünde in einer Reihe, findet die taz, was sich unprüfbar behaupten lässt: die Tat gewinne „diese Bedeutung erst vor einem allgemeineren Muster im Hintergrund. Dass die Islamophobie in Deutschland zugenommen hat, bedeutet zum Beispiel, dass sich in unserem öffentlichen Sprechen ein Muster etabliert hat, das bestimmte Bilder evoziert (verschleierte Frauen, Massenszenen von beim Beten hochgereckten Hintern), einige Fragen vernachlässigt ("Warum ist der Islam in Deutschland rechtlich den Kirchen nicht gleichgestellt?") und andere privilegiert ("Warum haben die immer noch kein Deutsch gelernt?").“ Wie all das kommt, ist den halbwegs informierten Bürgern bekannt. Leider schließt das 79 Prozent der taz-Leser aus. Anschaulich wird: es geht um Deutungsmacht. Kritikern sollen sich die Schere in den Kopf pflanzen, um sich nicht den Mord im Gericht oder die Kreuzzüge zurechnen lassen zu müssen.

Kreuzzüge gehen auch immer. Vier Millionen Moslems in Deutschland sollen beleidigt sein, bei den Kreuzfahrern leben zu müssen.
Das wiederum verstehe ich auch. Das geht uns schließlich genauso mit den Schweden.
Wenn wir Schweden hören, denken wir zuerst an den Dreißigjährigen Krieg, in dem uns die Schweden übel zugesetzt haben. Da könnte man auch sagen, „ist doch lange her“, aber das hat sich so eingebrannt.

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