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  06.02.2012   00:12   +Feedback

FOCUS: EHEC doch aus Bienenbüttel?

Experte stellt erhebliche hygienische Mängel fest und kritisiert die Festlegung auf Ägypten als Infektionsquelle

Hygiene-Professor Martin Exner zweifelt die offizielle Erklärung für die Ursache der EHEC-Epidemie mit 53 Toten an, derzufolge Sprossensamen aus Ägypten die Verursacher waren. Wie das Nachrichtenmagazin FOCUS berichtet, hat der Leiter des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Uni Bonn weiterhin den Biobetrieb „Gärtnerhof“ in Bienenbüttel in Verdacht. Exner war vom niedersächsischen Landesgesundheitsamt im Juni zu einer „Ortsbegehung“ auf den Hof gerufen worden und kritisiert die dortigen hygienischen Zustände. Seinen Verdacht, dass die Infektionsquelle nicht aus Ägypten stammte, untermauerte er in einem Memorandum, das noch unvollendet und „nicht zur Weitergabe bestimmt“ ist. FOCUS liegt jedoch eine Kopie des Papiers vor.

Der Experte, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und Vorsitzender der Trinkwasserkommission beim Bundesumweltamt ist, kritisiert die „hygienischen Voraussetzungen zur Händedesinfektion“ im „Gärtnerhof“ als „absolut unzureichend“. Sie hätten „in keinem Fall den Kriterien für lebensmittelverarbeitende Betriebe“ entsprochen. Die Inspektoren fanden einen „Brunnen unter anderem zur Sprossenzucht“ vor, „der den Gesundheitsbehörden nicht bekannt war und nicht gemäß Trinkwasserverordnung überprüft wurde“. Dies sei ein „gravierender, nicht zu akzeptierender Risikofaktor“. Unmittelbar neben dem Brunnen waren zwei Personaltoiletten installiert. Exner stellt die Frage, „wie ein solcher Betrieb ... überhaupt zur Sprossenproduktion seitens der Behörden zugelassen werden konnte“.

In dem Memorandum stellt der Mediziner laut FOCUS die offizielle Erklärung des EHEC-Ausbruchs grundsätzlich in Frage: „Insgesamt muss festgestellt werden, dass bislang keine überzeugende und plausible Hypothese vorliegt“. „Der Ausbruch hätte vollständig vermieden werden können, wenn die schon jetzt vorhandenen Grundregeln der lebensmittel- und trinkwasserhygienischen Anforderungen“ beachtet worden wären.

Durch die EHEC-Epidemie im Frühsommer 2011 starben 53 Menschen. 855 Patienten entwickelten eine gefährliche Nierenfunktionsstörung, das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Mehr als 30 Betroffene sind seither auf Dialyse angewiesen. Zudem wurden 2987 Fälle schwerer Durchfallerkrankungen infolge von EHEC-Infektionen gemeldet.

Fast alle deutschen Fälle lassen sich auf Ware aus dem „Gärtnerhof“ zurückführen. Dort wurden jedoch nur 75 Kilogramm der mehrere Tonnen umfassenden Lieferung aus Ägypten zu Salatsprossen verarbeitet. Bei drei Mitarbeitern diagnostizierten Ärzte eine EHEC-Infektion. Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft Oldenburg Ende Juni ihre Ermittlungen ein. Im Juli lautete die offizielle Erklärung, verseuchte Sprossensamen aus der ägyptischen Oase EL Fayoum seien die Ursache.

Mehr dazu gibt’s morgen (6.2.12) im FOCUS
(Nur in der Print-Ausgabe, nicht online)

(Michael Miersch)


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Kategorie(n): Inland  Wissen  Wirtschaft 

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