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  13.08.2010   23:54   +Feedback

Financial Times Deutschland: Von Australien nichts gelernt

Es ist schon merkwürdig, wie Joseph Stiglitz nach einer kurzen Vortragsreise durch Australien zum intimen Kenner der australischen Wirtschaft mutiert ist. Die Financial Times Deutschland veröffentlichte gerade einen Gastbeitrag des Wirtschaftsnobelpreisträgers unter der Überschrift “Von Australien lernen”. Das klingt zunächst einmal gut, denn tatsächlich gibt es Down Under einiges, das sich andere Länder durchaus abschauen könnten, zum Beispiel einen flexiblen Arbeitsmarkt, gesunde Staatsfinanzen und einen gut regulierten Finanzsektor.

Aber das alles meint Stiglitz nicht, wenn er von Australien lernen will. Er blendet komplett aus, dass sich Australien in den letzten 30 Jahren mit mutigen wirtschaftsliberalen Reformen modernisiert hat. Stattdessen behauptet er, dass Australien nur dank seiner großen Konjunkturpakete durch die Finanzkrise gekommen ist.

Ist er wirklich so naiv, den Wahlkampfsprüchen der australischen Bundesregierung uneingeschränkt zu glauben? Hätte Stiglitz sich ein wenig näher mit der australischen Wirtschaft beschäftigt, dann wäre ihm aufgefallen, dass dies nicht einmal die halbe Wahrheit ist.

Stiglitz’ Darstellung der australischen Verhältnisse ist derart einseitig und verzerrt, dass man sich als in Australien lebender Ökonom die Augen reibt. Wesentlich treffender beschrieben hat die tatsächliche Lage Australiens der britische Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung The Australian:

http://www.theaustralian.com.au/news/opinion/alps-knight-is-a-thief-in-rusty-armour/story-e6frg6zo-1225904126639

Am Rande bemerkt: Die australische Regierung behauptet, ihre 52 Mrd. Dollar-starken Konjunkturprogramme hätten 200.000 Arbeitsplätze gerettet. Das wären aber stolze 260.000 Dollar pro Job. Zu diesem Tarif hätte man die Leute auch für einen mehrjährigen Urlaub nach Bali fliegen kann. Ein grandioser Erfolg keynesianischer Wirtschaftspolitik!

Und noch etwas: Eine unabhängige Kommission kam vor wenigen Tagen zu dem Schluss, dass große Teile des australischen Konjunkturprogramms so schlecht implementiert wurden, dass es dabei zu Verschwendung in Milliardenhöhe gekommen sei. Von den Wohnungsbränden, die durch ein hastig aufgelegtes Programm zur Vebesserung von Hausisolierungen verursacht wurden, einmal ganz zu schweigen.

Wenn man über die australischen Programme zur Nachfragestimulierung eines sagen kann, dann dies: Sie waren teuer, verschwenderisch und ineffektiv.

Die Leser der Financial Times Deutschland erfahren all dies in Stiglitz’ Artikel nicht. Schade. 

(Dr. Oliver Marc Hartwich)


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Kategorie(n): Ausland  Wirtschaft 

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