Vera Lengsfeld 23.02.2011 20:15 +Feedback
Fazit der Guttenberg-Debatte
Entgegen aller Spekulationen in den Medien, hat er es getan: zu Guttenberg stellte sich heute im Bundestag sowohl den Fragen seiner Kollegen und ergriff in der „Aktuellen Stunde“, die von den Grünen zu seiner Person beantragt wurde, das Wort.
Damit hat er schon mal mehr Stil bewiesen als Linken- Chefin Lötzsch, die vor kurzem zu feige war, einer Aktuelle Stunde zu ihren Kommunismus-Äußerungen beizuwohnen.
Es gab keinerlei Versuche, die Aktuelle Stunde durch Geschäftsordnungstricks zu verhindern, oder wenigstens auf den Freitag zu verlegen.
Nein, zu Guttenberg stellte sich seinen Gegnern und machte wieder einmal eine gute Figur.
Er war demütig, charmant, ruhig und souverän. Das lies seine Kontrahenten alt aussehen.
Spätestens als Thomas Oppermann von der SPD, der in den vergangenen Tagen alles dran gesetzt hatte, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, zu Guttenberg hätte sich eines Ghostwriters bedient, seine Frage stellte, ob der Minister seine Arbeit selbst geschrieben hätte und nach dem „Ja“ bei seiner Nachfrage nicht mit dem Namen des eigentlichen Autors aufwarten konnte, war klar, dass die Opposition nichts als Vermutungen im Köcher hatte. Man fragte sich unwillkürlich, ob sie ihren eigenen Einflüsterungen erlegen war und am Ende wirklich glaubte, was sie in die Welt gesetzt hatte.
Wenn nicht doch wirklich neue Fakten, z.B. ein Ghostwriter auftauchen, hat zu Guttenberg die Debatte überstanden. Es ist unerheblich, ob die Universität, die seine Doktorarbeit mit Summa cum laude bewertet hat, nun zu der Erkenntnis kommen sollte, dass dieselbe Arbeit nichts wert ist. Zu Guttenberg hat den Mut gehabt, zuzugeben, dass er sich bei der Anfertigung seiner Dissertation maßlos überschätzt hat. Wenn er in den letzten Tagen gelernt haben sollte, in Zukunft vorsichtiger mit den Karrieren seiner Untergebenen umzugehen, weil er selbst in den Abgrund blicken musste, hat die Debatte sogar einen Kollateral- Nutzen gehabt.
Wie konnte zu Guttenberg die Hatz überstehen, wo sich doch fast der gesamte politisch-mediale Komplex einig war in dem Bestreben, ihn diesmal endgültig zu Fall zu bringen?
Zu Guttenberg ist nicht nur die Ausnahme unter den christdemokratischen Politikern, weil er nicht feige ist. Er hat auch davon profitiert, dass sich die ehemals schweigende Mehrheit zu artikulieren gelernt hat. Bild-Chef Kai Dieckmann war der erste unter den maßgeblichen Journalisten unseres Landes, der erkannte, dass die Causa Guttenberg eine ähnliche Diskrepanz zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung hervorbrachte, wie der Fall Sarazzin. Bild reagierte promt und verwies auf die Pro-Guttenberg- Plattform im Internet, die innerhalb weniger Tage hunderttausende Unterstützer des Verteidigungsministers vereinte.
Im Anbetracht der Zustimmungsraten für zu Guttenberg in allen Umfragen, wirkte es einigermaßen grotesk, wenn seine Kritiker in der Bundestags- Debatte ausgerechnet auf die Menschen im Lande verwiesen, um ihren Angriffen mehr Substanz zu geben. Die Realitätsverweigerung, die dabei offenbar wurde, illustriert, wie sehr der politisch-mediale Komplex auf sich selbst bezogen ist.
Wahrlich, die Zeiten haben sich geändert. Wie leicht war es noch, einen Philipp Jenninger mit falschen Anschuldigungen zu Fall zu bringen, oder einen Steffen Heitmann zur Aufgabe zu bewegen.
Das Wahlvolk zeigt heutzutage, dass es sich durchaus eine eigene Meinung zu bilden gewillt und in der Lage ist.
Die Möchtegern- Meinungsmacher sollten lieber die Signale hören und sich darauf besinnen, dass eigentlich Nachrichten übermitteln ihr Job ist.
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n): Inland


