Marko Martin 03.06.2010 21:34 +Feedback
Es waren mehr als Worte
Am Tag seiner Wahl zum neuen Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität gab der Erziehungswissenschaftler Jan-Hendrik Olbertz an dieser Stelle ein Interview. Darin beschrieb er, wie ihn vor Jahrzehnten als Jungakademiker in der DDR die Sorge plagte, dass „meine Dissertation B., also die Habilitationsschrift, über das akademische Ethos …vom Parteiapparat zerschlagen würde“ (WELT v. 20.4.). Dass Olbertz Habilitationsschrift aber wohl weniger widerständig als behauptet war, fand kurze Zeit später der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk heraus. Kowalczuk zitierte auf einer Tagung aus der Arbeit zahlreiche marxistisch-leninistische Propagandaformulierungen, verwies auf Honecker-, Krenz-, Hager- und Lenin-Zitate und löste damit eine Debatte aus: Hat der ehemalige Lehramtsstudent Olbertz zu DDR-Zeiten „ideologische Einpeitscherparolen“ verkündet? Oder waren die verbalen Speichelleckereien ein legitimes und harmloses Spiel mit dem System, um die Karriere voranzubringen? Der Berliner Schriftsteller Marko Martin (Jg. 1970), der die DDR Anfang 1989 als Kriegsdienstverweigerer verließ, kritisiert Olbertz’ „Mitmacher-Haltung“. http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7895163/Es-waren-mehr-als-Worte.html
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Kategorie(n): Wissen


