Dirk Maxeiner 07.01.2012 17:14 +Feedback
Erich währt am längsten
Es war nicht alles schlecht in der DDR! Die Witze waren richtig gut und die besten schrieb das Leben selbst. Etwa als sich Erich Honecker 1981 auf einem SED-Parteitag mit der doppeldeutigen Aufforderung an sein Volk wandte: “Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen!” Und selbst die Propaganda sorgte oft unfreiwillig für ein Stück Wahrhaftigkeit: “30 Jahre DDR - 30 Jahre Staatszirkus”.
Wenn nicht alles irrt, nähern wir uns mit der Präsidentschaft von Christian Wulff diesem Zustand wieder an. Hieß es in der DDR „Erich währt am längsten“ verballhornen die Bundesbürger nun den Titel des Buches des Bundespräsidenten: „Christian Wulff - Besser als die Wahrheit!“ (vom Verlag Hoffen und Bangen).
„Der Gedanke an einen Präsidenten, der derart peinliche Dinge tut, ist unerträglich”, schreibt Zeit-Online, „da ist der Wulff-Witz als Aggressionsabfuhr immer noch besser als Fremdschämen. Bloß der Lustgewinn ist geschmälert, weil die Zahl der Witzfiguren in Deutschlands politischer Klasse zunimmt.“
In der DDR pflegte man sein Verhältnis zur politischen Klasse so zu umschreiben: „Das Programm des IX. Parteitages: 1. Hereintragen des Präsidiums. 2. Synchronisieren der Herzschrittmacher. 3. Absingen des Pionierliedes ‘Wir sind die junge Garde des Proletariats.’“ Den großen Auftritt des Bundespräsidenten kommentieren die Bundesbürger indes mit verballhornten Filmtiteln wie „Pump Fiction“. „Lost in Reputation“ oder auch „Die Brücke zum Kai“.
Im Netz entfaltet sich eine humoristisch-subversive Fantasie, die für dieses Land und die von Christian Wulff offenbar unterschätzte Intelligenz seiner Bürger spricht. Loriot sagte einmal: „Humor entsteht, wenn Ordnung durchbrochen wird“. Und George Orwell schrieb: „Jeder Witz ist eine kleine Revolution“.
Deshalb zum Schluss noch ein schöner DDR-Witz und eine geniale Wulff-Sottise.
Zunächst der DDR-Witz: Erich Honecker steht auf dem Balkon seines Hauses und sieht die Sonne aufgehen. Er sagt: “Guten Morgen, liebe Sonne. Die Sonne antwortet: “Guten Morgen, lieber Erich.” Zum Mittag dasselbe. “Guten Tag, liebe Sonne.” – “Guten Tag, lieber Erich.” Am Abend wieder: “Guten Abend, liebe Sonne.” Darauf die Sonne: “Leck mich am Arsch, jetzt bin ich im Westen.”
Für das denkwürdige Wulff-Fernseh-Interview nahm ein Blogger hingegen Anleihe bei einem berühmten Hollywood-Streifen: „Demission impossible“.
Siehe auch:
http://www.witzeland.de/ddrwitz/witz01.htm
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-01/bundespraesident-wulff-affaere/seite-2


