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  24.06.2009   08:19   +Feedback

Erbarmen mit dem Sandmännchen! Der Fall Tom Buhrow

Es ist wohlfeil, sich über die lukrativen Nebentätigkeiten des ARD-Moderators Tom Buhrow zu echauffieren, wie sie vom Medienmagazin „Zapp“ auf NDR 3 jüngst enthüllt wurden. Ausgerechnet „Bild“, ansonsten auf der Dauershitliste von „Zapp“, brachte den Fall groß und bundesweit raus. Auf den Medienseiten der Blätter und in den Branchendiensten schlagen er und Artverwandtes seither Wellen. Auch die letzten nichtsnutzigen Publizistikprofessoren, die noch nicht einvernommen wurden, melden sich begeistert zu Wort, wenn Ethikgeraschel zur Causa B. nachgefragt wird (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0623/media/0031/index.html).

Ich behaupte mal, dass mindestens die Hälfte der journalistischen Buhrow-Basher gern die kleinen Vergünstigungen in Anspruch nimmt, die ihnen von Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Autofirmen etc. offeriert werden…

Wie sonst käme eine Website mit dem lustigen Namen http://www.journalismus.com, wo der Weg in die Rabatten en Detail erklärt wird, zu ihren gewaltigen Klickzahlen? Natürlich sind die lieben Kollegen sauer, wenn sie, die bei einer Direktbuchung etwa bei der Tui schlappe zehn Prozent Nachlass auf Pauschalreisen kriegen (das ist gerade mal der Anteil, den sonst das Reisebüro bekäme), erbleichend erfahren müssen, dass eine aus der Glotze wohlbekannte Figur wie Tom B. für ein bisschen frei flottierendes Gelaber 20 000 Euro aus der Kasse der Deutschen Bank erhält oder 10 000 Euro von einer Sektkellerei. DIE Trauben hängen für kleine Medienmalocher zu hoch. Weshalb ihr Geheul über Buhrow & Co. umso schriller tönt.

Das empörte Gedöns aus dem NDR selber, wo Nebenjobs von jeher problemlos angemeldet und genehmigt werden, kann man sowieso vergessen. Wer in der Anstalt dabei erwischt wird, dass er seine Krallen etwas zu weit aufgemacht hat, kassiert natürlich eine Abreibung. Dafür sorgt schon das Intrigengeflecht im Staatsfunk, wo jeder mit jedem über diverse Banden Hühnchen rupft und dabei emsig an seiner eigenen Karriere bastelt – äußerst komplexe und für Außenstehende extrem langweilige Spielchen.

Das alles ist, finde ich, überhaupt nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die Tagesthemen Lichtjahre entfernt sind vom Credo ihres einstigen Starmoderators Hajo Friederichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Sie machen sich heute mit jeder dusseligen Kampagne gemein, die von ARD-Volkserziehern ausgeheckt wird, ob sie nun „Frauen können´s besser“ heißt oder “Ist doch Ehrensache”. Mal wird eine Woche lang gegen „rechts“ getrommelt, mal eine Woche für Behinderte veranstaltet. Umwelt-Alarmisten und Katastrophen-Künder haben ein Abo in der Sendung. Und wenn ein Häuflein selbsternannter Weltretter auf die Kuppel eines AKW kraxelt und ein Transparent ausbreitet, darf es sicher sein, damit ganz groß in den Tagesthemen aufzuscheinen.

Schon mit Friedrichs´Weggang von den Tagesthemen setzte ein massiver Quotenrückgang ein. Inzwischen ist die über 30 Jahre alte Sendung ein Pflegefall, den die Bestallung des ehemaligen Washington-Korrespondenten Tom Buhrow als Anchorman nur verschlimmert hat. Das stets freundlich dreinblickende Nichts hat erkennbar so viel Biss wie ein entzahnter Tiger in einem russischen Provinzzirkus. Und seine Co-Moderatorin Caren Miosga wirkt immer wie eine Figur aus der angedachten RTL II-Show „Mein Weg aus der Bulimie“. Aber ist das der Grund, warum sich die Quoten der Tagesthemen im freien Fall befinden? Ungezählte Gründe, welche die Macher dafür aus dem Hut zaubern. Mal sind es die unterschiedlichen Anfangszeiten der Sendung, mal das verdammte Internet, mal die vielen Polittalkshows, mal die schlimme „Politikverdrossenheit“. Nebbich.

Der Grund für den Schwund ist wohl vielmehr, dass die Tagesthemen, der doch ein ungeheurer Apparat zur Verfügung steht, meist nichts weiter sind als ein Wurmfortsatz der „Tagesschau“ mit ihrer immer obsoleter werdenden Nachrichtenverkündung. Nur, dass man in den Tagesthemen zu später Stunde auch noch die Kommentare von 60 politisch eifersüchtig austarierten Wichtigtuern aus diversen Sendern verkraften muss, deren Wortmächtigkeit mühelos von den Leitartiklern im Mantelteil des „Stader Tageblattes“ getoppt wird. Die grotesken Diadochenkämpfe, die deswegen in der ARD-Schalte ablaufen, sind den wenigsten Zuschauern bekannt. Doch die Volksabstimmung per Fernbedienung zeigt, wie populär der Laden ist.

Eine Zuschauerbefragung der ARD hatte ergeben, dass Gebührenzahler Themen wünschen, „die Betroffenheit auslösen“. Oder auch nur solche, „von denen sie noch nichts gehört haben“. Gehört haben die Zuschauer von nahezu allem, was in den Tagesthemen aufgewärmt wird. Dass solcher Kohl, serviert von zwei staatstragend aus der Wäsche guckenden Schlafpillen, immer weniger Leuten schmeckt, ist eine frohe Botschaft. Ändern wird sie aber nichts. Warum sollte sich die ARD, ein Institut zur Erreichung von Rentenansprüchen (mit angeschlossenem Sendebetrieb) ernsthaft reformieren wollen? Oder gar mal was richtig Neues probieren?

Von mir aus könnten Buhrow und andere Sandmännchen 50 000 Euro pro Auftritt kassieren. Wenn sie nur endlich vom Schirm verschwänden. Aber, zu dumm - genau das kann ja eben nicht funktionieren.


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Kategorie(n): Inland 

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