Wolfgang Röhl 20.08.2008 22:14 +Feedback
Eisbär gerettet. Chaoten schützen unser Klima (Update)
Wann kommt endlich die verdammte globale Erwärmung? Eine lokale würde ja auch genügen, vorerst. „Im Hamburger Klima-Camp“ frieren sie derzeit wie die Schneiderlein. „Achtung: es ist brrr-kalt hier. Also bringt lieber Pullis und Pullover mit“, rät die Website des „öko-anarchistischen Barrios“ auf dem Camp, das bitte nicht mit dem Dschungel-Camp eines Privatsenders zu verwechseln ist, wenn es dem in puncto Doofheit auch nicht nachsteht. Wegen des schlechten Wetters sind die Aktionen im Umfeld des Camps eher unterkühlt. Ein paar Steinwürfe auf die Privatwohnsitze von Behördenangestellten, Randale vor einem Discounter, heute ein Überfall auf die Ausländerabteilung des Bezirksamtes Nord, bei dem 30 Vermummte für den üblichen Sachschaden sorgten – so dolle ist die Bilanz des Camps bislang noch nicht..
Hamburgs Politiker geben sich wehrhaft wie immer („für Chaoten gibt es in Hamburg kein pardon“) und hoffen, dass die Chose still im Regen versickert, der zur Stunde über der Hansestadt niedergeht. Wenn nämlich das Schietwetter die besoffenen Punkies, die als militante arme Würstchen dem Camp prinzipiell immer zur Verfügung stehen, wenn also das Klima sie in ihren Höhlen hielte, blieben Konflikte in der Kuschelkoalition von Bürgermeister Ole von Beusts CDU und den mitregierenden Grünen (in Hamburg GAL) womöglich aus. Die GAL findet das Klima-Camp, ebenso wie die ARD-Tagesthemen und die „Hamburger Morgenpost“, nämlich ganz prima. Junge Menschen, „die was tun wollen“ – da ist man doch voll für, ey?
Interessanter als die Chronik des laufenden Camp-Geschehens ist, finde ich, der Blick auf den Geisteszustand der jungbürgerlichen Camper, die es auch gibt, und zwar nicht zu knapp. stern.de berichtet etwa über die Anja, 19, „deren Lieblingslabel Lacoste ist“ und die deshalb jetzt ein Jahr nach Lacosta Rica geht, um was mit Umwelt zu machen. Danach will sie „ein sozialwissenschaftliches Studium beginnen“ (aber hoffentlich nie beenden). Die Kathrin Fahlenbach, Dozentin für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Halle-Wittenberg, die bereits erfolgreich einen gescheiten Beruf schwänzt, erklärt zum Thema „Protest als Lebensform“, dass die „Vergemeinschaftung“ wichtig an solchen Camps ist. “Inhalte verändern sich”, aber der „gemeinsame Lebensstil“ sei die Konstante, die „soziale Bindekraft“ erzeugt. Wenn ich das alles richtig mitgekriegt habe – mein Kopf, mein Kopf! – läuft es darauf hinaus bei solchen Bewegungen: wichtig ist, rein gar nichts wissen zu wollen, wirtschaftliche Zusammenhänge tapfer zu ignorieren, nie, niemals etwas zur Kenntnis zu nehmen, was nicht in der „taz“ steht. Unwissenheit ist Stärke – wo stand das nochmal?
The answer, my friend, is blowin´in the wind. Schrammel, schrammel.
(Alles über die innere Verfasstheit von Klimacampern und ihren Freunden auf http://www.stern.de/politik/panorama/:Klimacamp-Hamburg-Protest-Lebensform/634915.html)
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n):


