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  21.05.2008   12:20   +Feedback

Eine Party ohne Ludwig

achgut-Leser D.N. ist nach Düsseldorf gefahren, um dort an einer Kundgebung beizuwohnen, an der auch Ludwig Watzal, der größte Nahostexperte aller Zeiten, teilnehmen sollte. Der war nicht da, aber sonst war es auch ziemlich irre. Hier der Bericht:

= Ich komme gerade von der Veranstaltung des Friedensforums im Düsseldorfer ZAKK, die ich auf Grund Ihres Artikels besucht habe, nicht zuletzt, um einen Herrn Ludwig Watzal einmal live zu erleben. Nur leider war er nicht anwesend! Der Vertreter des Friedensforums sagte zur Begründung, Ludwig Watzal habe vor zwei Tagen auf anwaltlichen Rat hin eine Absage erteilt. Und weiter sinngemäss, ein Auftritt in diesem Kontext könne ihn seine Arbeitsstelle kosten. Er wurde als Opfer einer Schmutzkampagne hingestellt, die im Moment gegen ihn laufe.

An seiner Stelle sass ein Vertreter der ‘Palästinischen Gemeinde Deutschlands’ auf dem Podium (habe mir leider seinen Namen nicht gemerkt). Er hielt einen Vortrag im Stil einer politischen Agitation, deren zentrale Punkte die einseitige Aufzählung der unzähligen den Palästinensern von den Israels zugefügten Leiden waren, ohne auf Ursache und Wirkung oder Aktion und Reaktion beider Seiten in diesem Konflikt einzugehen (etwas anderes war jedoch eigentlich auch nicht zu erwarten). Es fielen Worte wie unvergleichliche israelische Aggression, Deportation, Apartheitsmauer, die zionistische Ideologie ist Krieg. Immer wieder wurde das Rückkehrrecht der Palästinenser betont und dass der Status von vor der israelischen Aggression in 1967 wiederhergestellt werden müsse. Die Basis seiner Forderungen sei das politische Programm der PLO und er lobte den heroischen Kampf des grossen Führers Arafat.

In der anschliessenden Diskussion gab es zuerst ein kurzes Geplänkel um Herrn Watzal, der aus dem Publikum kritisiert wurde. Es wurde abermals von einer Schmutzkampagne gegen ihn gesprochen, in deren Zusammenhang auch der Name Henryk M. Broder fiel. Der weitere Diskussionsverlauf war erwartungsgemäss. Die anwesenden Mitglieder des Friedensforums (zum überwiegenden Teil ältere Damen und Herren) drängten den Vertreter der palästinensischen Gemeinde teilweise zu einer noch schärferen Verurteilung der kriegerischen, aggressiven Politik Israels. Israel wurde als ein im Grunde gar nicht demokratisches Land dargestellt. Hinter seiner Fassade lauere Willkür, brutale Unterdrückung und eine immer stärker werdende Radikalisierung. Aus meiner Sicht kam da eindeutig die Nähe zur DKP durch. Dann gab es im Publikum noch eine kleine Fraktion von jungen Herren, die meinten, der gesamte Konflikt hätte nichts mit Ethnien oder Land zu tun, sondern man müsse das Ganze vom Klassenstandpunkt aus betrachten (ich schätze Antiimps oder Antifa). Aus deren Sicht kommt als Lösung nur eine Einstaatenlösung in Betracht.

Als von den zwei bis drei eindeutig pro-israelischen Stimmen aus dem Publikum (mich eingeschlossen sowie ein junger Mann mit I like Sderot auf dem T-Shirt) den einseitigen Darstellungen über die Leiden der armen Palästinenser Fakten über eigenes Verschulden, internationale Hilfsmassnahmen, verpasste Chancen (Camp David, Oslo etc.) sowie Gefahren und Leiden der Israelis entgegengesetzt wurden, wurde der Palästinenser auf dem Podium jedes Mal sehr emotional und warf den Diskutanten vor, nicht objektiv zu sein und einseitig für Israel Partei zu ergreifen.

Immer wieder wurden die üblichen Verdächtigen Avneri, Galinski (die Tochter) und wie sie alle heissen zitiert. Jedoch vor allem Ilan Pape, dessen Buch Die ethnische Säuberung hochgehalten und andauernd lobend erwähnt wurde. Überhaupt schien der Ausdruck Die ethnische Säuberung grossen Anklang zu finden und wurde in allen möglichen Zusammenhängen gebraucht.

Es kam, wie es eigentlich zu erwarten war, beide Seiten vetraten ihre Standpunkte und eine Annäherung kam natürlich nicht zustande. Der Gerechtigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass sich der Vertreter der Palästinenser auf meine direkte Frage hin gegen Selbstmordattentate, Kassam Raketen und die stattfindende Indoktrination durch anti-jüdische Kindersendungen aussprach (obwohl das auch taktisch motiviert gewesen sein könnte).

Derjenige Vertreter der Friedensbewegung, der noch am zugänglichsten und israelfreundlichsten war (er meinte u.a., er habe in seinem Fenster eine israelische und eine palästinensiche Flagge hängen), nannte in einem persönlichen Gespräch nach der eigentlichen Veranstaltung den Namen Henryk M. Broder als Synonym für Volksverhetzung und Hetze gegen den Islam. Und die Kritik am Iran sowie etwaige zukünftige kriegerischen Aktionen seien sowieso nur geopolitisch motiviert (Öl!). =

Und so wurde es doch noch eine schöne Kundgebung der Solidarätät mit dem palästinensischen Volk. Auch ohne Ludwig.

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