19.08.2012   23:58   +Feedback

Eine Mordsgeschichte

Es ist nicht mehr auszuschließen, dass Furcht und Schrecken in der FAZ-Redaktion noch weiter als bisher um sich zu greifen. Die Gefahr, in dem Frankfurter Haus Opfer eines fiktiven Mordes zu werden, hat sich verdoppelt. Eine Kriminalgeschichte nimmt Gestalt, deren Fortsetzung Düsteres verspricht.

Den “Tod eines Kritikers”, den Martin Walser vor nunmehr zehn Jahren beschrieb, konnte man noch als Einzelfall abtun. Der nun erschienene zweite Journalistenmord unter dem Titel “Der Sturm” aber gibt Anlass zu größerer Sorge. Haben wir es hier mit einer Serie zu tun? Drohen weitere Morde im FAZ-Milieu?

Walser bestritt seinerzeit kaum, dass es sich bei dem scheinbar Ermordeten tatsächlich um die Nachschöpfung eines gewissen Marcel Reich-Ranicki handelte. Aber er schreckte vor dem Schlimmsten zurück, indem er zum Ende seines Romanes den Toten wieder auferstehen ließ und den Mord zum bloßen Scheinmord reduzierte. Bei dem zweiten Roman-Mord, mit dem wir es jetzt zu tun haben, liegt die Sache anders. Der in Schweden ermordete Christian Meier, ein deutscher Chefredakteur, wird nicht wieder zum Leben erweckt. Er bleibt tot. Andererseits ist das reale Vorbild des ermordeten Chefredakteurs nicht ganz so erwiesen wie die des Kritikers im Walser-Roman. Zwar besteht ein begründeter Verdacht, dass es sich bei Christian Meier um ein Abbild des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher handelt. Die für den Mord verantwortlichen Autoren bestreiten dies aber.

Allerdings sind die Verdächtigen vermindert glaubwürdig. Zum einen haben sie sich zunächst als eine einzige Person ausgegeben, obendrein als Ausländer, nämlich als ein Schwede namens Per Johansson. Nachforschungen eines “Welt”-Journalisten ergaben aber, dass es sich in Wahrheit um zwei Personen deutscher Nationalität handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass einer der beiden, Thomas Steinfeld, Redakteur einer konkurrierenden Zeitung, nämlich der Süddeutschen ist. Und nicht nur das: Steinfeld hat früher bei der Frankfurter Allgemeinen gearbeitet, und zwar direkt unter dem Mann, den nun das in Skandinavien aufgefundene Mordopfer vermutlich abbilden soll.

Steinfeld und sein Co-Autor Martin Winkler bestreiten trotz dieser belastenden Indizien weiter die Tat. Sie bestehen darauf, dass ihr literarisches Mordopfer mit dem dahinter vermuteten realen Journalisten nichts zu tun habe. Sie bleiben bei dieser Einlassung, obgleich zwischen dem Romantoten und dem real Lebenden auffallende Ähnlichkeiten bestehen, sowohl äußerliche als auch solche, die die journalistische und schriftstellerische Arbeit der beiden Gestalten betreffen.

Die ermittelnden Organe bleiben darum bei ihrem Verdacht, verfolgen aber verschärft die Frage, ob es zwischen dem ersten Mord, der keiner war, und dem zweiten Mord, der sehr wohl einer war, einen Zusammenhang gibt. Bisher ist über auffällige Kontakte zwischen Martin Walser und Thomas Steinfeld nichts bekannt. Aber das schließt konspirative Treffen einer dunkleren Art nicht aus. Sollte sich die Vermutung erhärten, dass die beiden literarischen Anschläge auf FAZ-Redakteure in einem konspirativen Zusammenhang stehen, so stellt sich die Frage: Sollten tatsächlich weitere Mordanschläge dieser Art auf das FAZ-Personal geplant sein? Und dann natürlich: Wen trifft es als Nächsten? Und ebenso wichtig: Wer wird der Täter sein?

Da die ersten beiden Morde von zwei (eigentlich: drei) verschiedenen Tätern verübt worden sind, gehen erfahrene Profiler davon aus, dass der nächste Mord auch wieder von einem anderen, bisher noch nicht auffällig gewordenen Täter begangen wird. Aber wann? Werden wieder zehn Jahre vergehen, bis einer das nächste Mal zuschlägt. Oder wird sich, wie die Erfahrung lehrt, die Mordlust steigern, und zu Bluttaten in immer geringeren Abständen führen? Noch sind die Motive der Mordserie nicht ausreichend untersucht, um hier Genaueres vorherzusagen.

Unglücklicherweise stellt sich auch die Frage, ob die bedrohten oder bereits geschädigten FAZ-Redakteure das Recht in die eigene Hand nehmen und einen Gegenschlag planen. Es wäre nicht das erste Mal. Auf den “Tod eines Kritikers” hat man mit einem “Abgrund an Antisemitismus” geantwortet, was einem literarischen Rachemord nahe kam. Der Autor dieses Gegenschlages war ausgerechnet der, der nun im neuen Mordfall als vermutetes Opfer erscheint. Überall, so scheint es, schimmern hier fein gesponnene Netze.

Wird sich die Geschichte also in Form weiterer Morde, Mordversuche und Gegenschläge wiederholen? Wird das gegenseitige Morden womöglich auf andere Zeitungen übergreifen? Ist die “Welt”-Belegschaft gefährdet, da sie sich mit ihrer Enthüllung mitten hinein in das Schlachtfeld begeben hat? Bleibt das Mordgeschehen auf die Printmedien beschränkt oder wird demnächst auch online Blut fließen?

Schließlich: Wer wird den Fall klären? Wallander? Er dürfte, so tüchtig er in Skandinavien ist, auf dem Kontinent auf verlorenem Posten stehen. Eher zeichnet sich hier eine Chance für den heiteren Herrn Kluftinger ab, die Ketten des Allgäuer Regionalkrimis zu sprengen und überregional, ja international tätig zu werden.

(.(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen))


Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Kultur  Bunte Welt 

Helfen Sie uns Die ACHSE DES GUTEN noch besser zu machen
und auszubauen!

Spendenkonto
Kontonummer: 4801474
Augusta-Bank, Augsburg
Bankleitzahl 720 900 00
Internationale Bankleitzahl BIC GENODEF1AUB
Internationale Konto-Nr. IBAN DE27720900000004801474

Google-Anzeige