10.09.2012   18:08   Leserkommentare (0)*

Ein Schwabinger Monolog (13. Teil)

Ich habe mal zusammengeschrieben, welche Weltanschauung seit Jahren auf Partys, in Kneipen und bei Zusammenkünften aller Art an meine Ohren schwappt. Die anderen Folgen des Schwabinger Monologs finden Sie, indem Sie in der Steuerungsleiste links auf meinen Namen klicken.

„…Wenn nicht sowieso alles zu spät ist. Denn die Welt geht kaputt. Wer die Zeichen nicht sieht, ist blind. Der Mensch hat das ökologische Gleichgewicht zerstört. Leider verstehen viele Leute aber nicht einmal, was das ist. Im Prinzip kann man sie mit der Gewaltspirale vergleichen, die sich immer weiter dreht. Wir erleben es im Nahen Osten zwischen den Israelis und den Palästinensern. Sobald die Spirale in Bewegung gerät, eskaliert der Konflikt immer weiter und weiter. So ähnlich ist es auch mit dem ökologischen Gleichgewicht. Wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Die Natur gerät aus den Fugen. Kennen sie den Film „The Day After Tomorrow“? So würde es dann auf dieser Erde aussehen. Wir sehen es ja schon an den Veränderungen, die im Moment stattfinden. Seit Jahren kein normales Wetter mehr, Wirbelstürme in der Karibik, Dürren in Australien, Hochwasser bei uns. Unsere Enkel werden nur noch gletscherlose Alpen kennen. Vermutlich existieren aber schon heute in den Schubladen des Disney-Konzerns Pläne, künstliche Gletscher in Hallen zu erschaffen. Natürlich wird das ganze Eintritt kosten, viel Eintritt.

So läuft es doch immer ab. Ich sage nur Gentrifizierung! Für mich das Unwort des Jahres. Wir haben es in unserer Nachbarschaft erlebt. Als meine Frau und ich hierher gezogen sind, gab es noch viele Künstler und Kreative. Aber nach und nach kamen diese jungen Kariertypen und schon zogen die Mieten an. Die Künstler konnten sich das Wohnen nicht mehr leisten. Aus ihren Ateliers wurden Kindergärten und Yogastudios. Nicht dass ich etwas gegen Yoga habe, im Gegenteil, aber um die Künstler tut es einem schon leid.

Es wird ja immer gesagt, dass es in Europa keine ethnischen Säuberungen mehr gibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schon gar nicht mehr. Aber wer erlebt hat, wie hier Menschen ihren Wohn- und Lebensraum verlassen mussten, denkt darüber anders. Es gibt immer noch Vertreibungen, nur werden sie nicht mehr von Diktatoren ausgelöst, heute sind der Auftraggeber Miethaie und die Vertreibung nennt sich beschönigend Gentrifizierung. Ist ihnen überhaupt schon einmal aufgefallen, was für ein Wort in Gentrifizierung steckt? GEN! Vielleicht ist es Zufall, aber es passt wunderbar. Genfood, Gentrifizierung, Geopolitik, GAU, Gewaltspirale. All diese Übel beginnen mit G.

Ich verrate ihnen etwas: Wir spielen mit Freunden abends gerne ein Spiel, es braucht nicht viel dazu, nur ein Blatt Papier, einen Stift und einen guten Rotwein. So eine Art kritisches „Stadt, Land, Fluss“. Einer ruft einen Buchstaben in die Runde und jeder versucht, so viele Worte wie möglich zu finden, die damit beginnen. Aber es sind nur abscheuliche Begriffe erlaubt. Das macht die Sache erst lustig. Bei A gibt es eine ganze Menge: Atomkraft, Atombomben, aber auch Autos und arrogante Außenpolitik. Für arrogante Außenpolitik gibt es sogar zwei Punkte. So ziehen wir durch das Alphabet und haben einen schönen Abend.

Ausgedacht hatten wir uns das auf einer langen Zugfahrt ins Wendland. Ich erzähle das, um zu zeigen, dass es Spaß auch außerhalb der oberflächlichen Amikultur gibt, die uns die Medien aufnötigen. Im Grunde ist ohnehin nur jenseits dieser Pseudokultur Spaß möglich ist. Fremde Leute mit Kameras zu beobachten, ist doch menschenverachtend. Dieser ganze „Big Brother“ Zirkus ist einfach ekelhaft! Die Stasi hat mit viel primitiveren Methoden überwacht und darüber empören sich manche bis heute. Aber wenn Menschen sich in Kakerlaken wälzen müssen und Millionen an den Fernsehern zuschauen, schweigen sie. Das ist Unerhaltungs-Faschismus.

Überhaupt die Herabwürdigung der Menschen mit DDR-Hintergrund. Ich habe das damals sehr genau verfolgt, in der Wendezeit. Wie da die Geschäftemacher sofort in den Osten geströmt sind und alle Machtstellen übernommen haben. Ich habe mir das gemerkt und ich dachte mir damals schon, wie muss das auf die Menschen im Osten wirken? Das war Siegerjustiz. Kein Wunder, dass sich die ehemaligen Bewohner der DDR bis heute vom Westen ausgegrenzt fühlen. Sie werden ja auch ausgegrenzt. Die Westdeutschen führen sich wie Kolonialherren auf, die bestimmen, wie der Ostdeutsche über sein eigenes Leben zu denken hat. Es ist die gleiche Denkweise, mit welcher der weiße Mann sich anmaßte, andere Völker und Kulturen zu unterjochen. Im Grunde hat sich nicht viel geändert, für die Besiegten gab’s doch noch nie Gnade. Wie gesagt, ich weiß, wovon ich rede! Ich habe mir damals gleich gedacht, wie das laufen wird. Wir müssen endlich die Mauer aus unseren Köpfen bekommen…“

Wird fortgesetzt

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Kategorie(n): Bunte Welt 

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