12.12.2012   20:49   Leserkommentare (0)*

Ein Islam der Tat und der Maßnahmen

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, hält einen Dialog mit den USA für möglich, berichteten iranische Medien am 11.12.2012. Die Bereitschaft der USA mit dem Iran zu reden mache deutlich, dass die US-Regierung „die Realitäten inzwischen besser erkennt.“ Es habe aber bisher keine offiziellen Angebote seitens der US-Regierung für einen Dialog gegeben.

Kein Sklave des Dollars. Der iranische Revolutionsführer Ali Khamenei hat in einer aktuellen Rede erneut die USA scharf angegriffen. Er sagte: „Die Feinde haben Angst vor dem islamischen Erwachen.“ Khamenei hält den Islam in der Interpretation von Ayatollah Khomeini für den wahren Islam und fügte hinzu: „Sie machen sich keine Sorgen um einen Islam, der ein Sklave des Dollars ist, ein Islam, der im aristokratischen Leben verfällt, ein Islam, der keine Anhängerschaft in der Bevölkerung hat. Aber sie haben Angst vor einem Islam der Tat und der Maßnahmen. Sie haben Angst vor dem Islam der Massen, vor dem Gott ergebenen Islam. Sie erzittern vor dem göttlichen Versprechen“, berichtete Farsnews am 11.12.2012.

Tatsächlich ist es Ayatollah Khamenei, der letztendlich über einen Dialog mit den USA entscheidet. Iranische Politiker fordern die Kapitulation der USA vor der islamistischen Diktatur. Sie meinen, dass eine realistische Außenpolitik der USA sich nur in der Anerkennung der islamistischen Diktatur und anderer islamistischer Bewegungen zeige.

Khamenei sagte: „Amerika wird immer versuchen den Islam und die Islamisten zu vernichten und wird dabei sogar lächeln.“ Er sagte über die Revolutionen in der arabischen Welt: „Wir sagen nicht, dass sie direkt gegen die Welt der Arroganz (den Westen) in den Krieg ziehen sollen. Wenn sie aber nicht zumindest Abstand von ihnen nehmen, werden sie zunichte gemacht werden.“

Solche Aussagen des iranischen Revolutionsführers schaffen aber keine Vertrauensbasis für einen Dialog. Wenn die antiwestlichen militärischen Aktivitäten in Rechnung gestellt werden, muss man feststellen, dass der Iran seine aggressive antiamerikanische und antiisraelische Politik fortsetzt. Eine Politik, die auch nicht von Europa toleriert werden kann.

Fajr-5 Raketen. Der iranische General der Luftwaffe, Amirali Hajizadeh, lobpreist die Waffen der libanesischen Hisbollah. Die Hisbollah würde über Fajr-5 Raketen verfügen, die eine „Reichweite von 75 km haben.“ Diese Raketen seien „hundertfach“ stärker als die Waffen, die im achttägigen Krieg gegen Israel „von den Palästinensern in Gaza eingesetzt worden seien.“

Iran habe in Wirklichkeit den Palästinensern in Gaza nicht sehr helfen können, so Hajizadeh. Im Falle von Hisbollah sehe dies aber anders aus, so der iranische General, laut Farsnews vom 10.12.2012.

Khamenei sagte: „Ein Lob für die Hamas, ein Lob für Jihade Islami und die bewaffneten Kräfte in Gaza.“ Er bedankte sich bei den extremistischen islamistischen Gruppierungen. Er bedauerte, dass die islamische Welt über Bahrain schweigen würde. Dort stellen die islamistisch-proiranischen Gruppierungen die Opposition dar und wollen die US-freundliche Regierung stürzen.

Khamenei stellte sich erneut hinter den syrischen Diktator Assad und meinte, dass im Falle von Syrien die Opposition die Verantwortung für die Opfer des Bürgerkrieges trage.

Es ist ein Fakt, dass die iranischen Machthaber einerseits von Dialogbereitschaft sprechen, andererseits aber nicht aufhören den Terrorismus zu unterstützen. Die iranischen Machthaber sehen sich als die Speerspitze des antikolonialen Kampfes.
Ali Larijanis antikoloniales Dreieck. Der Vorsitzende des islamistischen Pseudoparlaments Ali Larijani sprach am 5.12.2012 von einem „Kompass des Wandels im Nahen Osten.“ Dieser Kompass werde von den Regeln eines Dreiecks bestimmt: „Der iranische Diamant, die Hisbollah und der palästinensische Widerstand.“ Dieses Dreieck sei die „Achse des antikolonialen Widerstandes in der letzten Dekade.“

Diese sogenannte „Achse des Widerstandes“ wird von Iran finanziell und militärisch unterstützt. Das politische Ziel der iranischen Machthaber ist letztendlich die Stabilisierung ihrer eigenen Machtstrukturen.

Golfinseln als iranische Militärstationen. Iranische Inseln im Persischen Golf dienen den islamistischen Machthabern als Militärbasen. Sie werden von iranischen Revolutionsgardisten kontrolliert, die von dort aus den Schiffsverkehr im Persischen Golf immer mehr unter militärische Beobachtung stellen wollen.

Wie Admiral Alireza Tangsiri, stellvertretender Leiter der iranischen Marine, sagte, „sind die Schiffe der südlichen Anrainerstaaten des Iran gezwungen sich diesen Inseln anzunähern“, berichtete Farsnews am 11.12.2012. Er ist der Meinung, dass die geopolitische Lage der militärisch benutzten Inseln „gottgegeben“ sei.

Die Meeresenge des Persischen Golfs sei eine der „wichtigsten strategischen Regionen der Welt.“ Wer die 19 kleinen Inseln besitze, verfüge über „stabile und nicht versenkbare Flugzeugträger“, so der Admiral der iranischen Marine. Es sei daran erinnert, dass die iranische Marine den „Garden der Wächter der islamischen Revolution“, kurz Revolutionsgardisten, untergeordnet ist.

Der Iran will nun nach Angaben des Admirals alle Schiffe kontrollieren. Sie wollen feststellen, wohin die Schiffe fahren, was sie transportieren und wem sie tatsächlich gehören. Der Iran wolle zunächst die Kontrolle per Funk einführen. Wenn die durchfahrenden Schiffe die Fragen zur Identifizierung nicht beantworteten, würden Schnellboote der Revolutionsgardisten diese Schiffe vor Ort kontrollieren.

Der iranische Admiral stellt die Präsenz der US-amerikanischen Schiffe in den Kontext der Kolonialgeschichte. Im 19. Jahrhundert seien zuerst die spanischen und dann die portugiesischen Schiffe in den Persischen Golf gekommen und heute seien es die US-amerikanischen Schiffe, die „die Relevanz“ des Persischen Golfes sichtbar machen würden.

Tangsiri machte die US-amerikanische Marine für die Konflikte verantwortlich und warnte die arabischen Regierungen: „Heute sind es die fremden Kriegsschiffe im Persischen Golf, die für Konflikte sorgen. Sie stören die Sicherheit. Unsere befreundeten Nachbarn müssen dies verstehen.“

Es zeigt sich immer wieder, dass die iranischen Machthaber die arabischen Regierungen anstacheln eine antiamerikanische und antiwestliche Politik zu betreiben.

Iranischer Admiral und die geopolitische Relevanz des Persischen Golfes. Der iranische Admiral Tangsiri meint, dass die „südlichen Anrainerstaat des Persischen Golfes angestachelt werden, um Waffen und militärische Ausrüstung zu kaufen.“ Für ihn kommen solche Waffenkäufe einer „Iranphobie“ und „Islamophobie“ gleich. Denn die arabischen Staaten, die Waffen von westlichen Staaten kaufen, würden eine Politik der „Islamophobie“ betreiben.

Der iranische Admiral fordert iranische Wissenschaftler, Politiker und Soldaten auf die geopolitische Relevanz des Persischen Golfes zu erkennen. Wer sein Leben „opfern“ wolle, müsse dies erkennen.

Es wird deutlich, dass der Iran jegliche Kritik gegen die islamistische Ideologie und Herrschaft als „Islamophobie“ und „Iranphobie“ versteht. Sie verteidigen im Namen des Islam die islamistische Diktatur und den blutigen menschenfeindlichen Terrorismus, im Namen des Widerstands.

Wahied Wahdat-Hagh, Fellow bei der European Foundation for Democracy (EFD).

Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Ausland 

Leserkommentare **

* Leserkommentare werden meist einmal täglich veröffentlicht. Wenn Sie Kommentare vermissen, schauen Sie doch später noch mal vorbei.


Es wurden noch keine Kommentare veröffentlicht.

Kommentar schreiben

Es kann nur innerhalb der ersten drei Tage nach Veröffentlichung eines Artikels kommentiert werden.


** Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserkommentare nicht, gekürzt oder in Auszügen zu veröffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. (Bitte Vor- und Nachnamen angeben!) Leserkommentare sollten zusätzliche Argumente, Gedanken oder Informationen zum kommentierten Beitrag erhalten. Bloße Zustimmung oder Ablehnung sortieren wir aus.