Hannes Stein 30.07.2008 14:19 +Feedback
Ein Dinosaurier bedankt sich für die Auskunft, hat aber noch ein paar Fragen und Anmerkungen
Selten habe ich auf einen Beitrag auf “Achgut” so viele Zuschriften erhalten wie auf diesen hier. Zunächst einmal bedanke ich mich bei meinen vielen Mit-Dinosauriern, die ebenso still wie ich unter dem falschen Genetiv-S vor sich hin leiden. Außerdem gibt es aber ein paar bedenkenswerte Fragen.
1. Allerhand Leute fragten, warum ich auf “des Islam” bestehe (statt “des Islams"), während doch niemandes Spachgefühl sich bei “des Judentums” bzw. “des Christentums” sträubt. Tja. Weder “Judentum” noch “Christentum” sind Eigennamen, es handelt sich einfach um Wortbildungen analog zu “freies Unternehmertum”. Anders gesagt, Judentum bzw. Christentum ist einfach das, was Juden resp. Christen praktizieren, wenn sie unter sich sind. Ganz anders verhält es sich schon mit dem Katholizismus. Die Beugung “des politischen Katholizismus´” (d.h. eigentlich “des Katholizismuses") finden wir doch alle ein klein wenig doof, oder? Gäbe es den Eigennamen “Islam” nicht, sondern stattdessen ein Wort wie “Muslimentum”, hätte ich selbstverständlich gegen “der unbeugsame Friedenswillen des Muslimentums” keine Einwände. Jdenfalls keine grammatischen.
Weil wir übrigens gerade von Religion sprechen: Stellt sich bei diesem Buchtitel nicht jegliches Nackenhaar auf? Bitte: “des Vatikan”! Danke.
2. Verschiedene Leser nutzen die günstige Gelegenheit, um über den Idioten-Apostroph zu lästern. Nun habe ich an passender Stelle schon den frommen Wunsch geäußert, dass alle, die sich des Idioten-Apostroph befleißigen, von Webster´s Ninth New Collegiate Dictionary erschlagen werden, das der Herr wie Manna vom Himmel möge regnen lassen. Aber trotzdem, liebe und geschätzte Liza: Der Apostroph bei Eigennamen—“Rosie´s Rasierstube”—ist im Deutschen zumindest aus historischen Gründen vertretbar. Schon im 19. Jahrhundert gab es Firmenschilder nach just diesem Muster.
3. Eine Frage, die mich im Zustand enormer Ratlosigkeit zurücklässt, stellt mir Burkhard Müller-Ullrich, nämlich: Wenn es “des Spiegel” heißen muss (sofern es sich um das Nachrichtenmagazin handelt), gilt dann analog auch “des Deutschlandfunk”? Er wittert im Verzicht auf das Genitiv-S in diesem besonderen Falle, wahrscheinlich zu Recht, einen Versuch, sich ungehörig aufzuplustern. Vielleicht können wir uns salomonisch darauf einigen, dass es “des Neuen Deutschland” heißen muss und dass wir dieser Zeitung außerdem heftigsten Auflagenschwund wünschen.
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