Dr. Oliver Marc Hartwich 23.12.2008 07:22 +Feedback
Ein Denkmal dem Hybridauto!
Eigentlich sind Australier ganz vernünftige Leute. Das dachte ich jedenfalls, bis ich neulich in die Tiefgarage des Einkaufszentrums von Chatswood im Norden Sydneys fuhr. Dort begrüßte mich ein großes Schild, das mich auf einige Neuerungen im Park-Management aufmerksam machte. Unter anderem würden seit neuestem einige Parkplätze für Hybridfahrzeuge reserviert. “Wie bitte? Für Hybridfahrzeuge?” ging mir sofort durch den Kopf. Aber mein zweiter Gedanke war: “Für welche Hybridfahrzeuge eigentlich? Es gibt doch so gut wie gar keine in Australien!”
Wieder im Büro habe ich mich dann noch einmal in den australischen Zulassungsstatistiken davon überzeugt, dass mein Eindruck nicht ganz falsch war. Im letzten Jahr wurden etwa eine Million Autos in Australien zugelassen, davon gerade einmal 5.000 mit Hybridantrieb. Insgesamt fahren auf australischen Straßen knapp 11 Millionen Autos. Wenn man nun davon ausgeht, dass die ersten Hybridwagen in den letzten fünf Jahren zugelassen wurden, dann dürfte somit nur in etwa jedes 450. Auto down under ein Hybrid sein.
Dass nun ausgerechnet im Einkaufszentrum von Chatswood einige der knappen Parkplätze für Toyota Prius & Co. reserviert werden sollen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wird es doch zur Folge haben, dass die Emissionen steigen werden.
Wie das? Ganz einfach: Die Tiefgarage ist nämlich chronisch überfüllt, und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Regelmäßig kommt es vor, dass man beim Versuch, einen Parkplatz zu finden, ein paar Runden auf den drei Ebenen dreht und dabei munter Sprit verbrennt. Dass man dabei immer an ein paar leeren Behindertenparkplätzen vorbeifährt, daran hat man sich gewöhnt und akzeptiert es gerne. Schließlich gibt es einen vernünftigen Grund für deren Einrichtung.
Aber bei Hybridautos ist ein solcher Grund kaum ersichtlich. Audi erklärte vor kurzem, dass man nicht beabsichtige, in Australien Hybridwagen zu verkaufen. Begründung: Die spezifischen Vorteile der Technik seien hierzulande nicht gegeben. Dafür wäre der Verkehr einfach zu flüssig (was auch außerhalb des engen Innenstadtbereichs von Sydney zutrifft). Folglich wäre Australien mit verbrauchsärmeren Fahrzeugen besser bedient, nicht jedoch mit Hybridwagen.
Wenn die Betreiber der Tiefgarage von Chatswood also “ein Zeichen setzen wollten”, wie es heute immer so schön gutmenschlich heißt, dann sollten sie besser ihre Parkplätze für Autos mit geringeren Emissionen reservieren - unabhängig von der Antriebsart. Oder sie sollten schlichtweg dafür sorgen, dass man nicht mehr so lange nach dem einzig freien Parkplatz im Hause suchen muss.
Stattdessen setzt man nun der Idee vom umweltfreundlichen Hybridauto ein Denkmal in der Tiefgarage - und zwar in Form eines leeren Parkplatzes.
Wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis ein Politiker auf die Idee kommt, solche Sonderparkplätze gesetzlich vorzuschreiben. Aber vielleicht sind die Australier ja doch vernünftiger und überlegen sich den Fall noch einmal. Zeit genug hätten sie auf ihren Runden durch das volle Parkhaus von Chatswood.
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Kategorie(n): Ausland Wirtschaft


