18.01.2007   11:29   +Feedback

Ein bisschen Frieden

Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Israel und Syrien verhandeln heimlich über Frieden - und zeigen Brüderlichkeit beim Dementi. US-Außenministerin Condoleezza Rice will Israels Premier Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an einen Tisch bringen. In den USA gibt es, wenn auch noch nicht im Präsidentenbüro, die Tendenz, Syrien in die US-Diplomatie in der Region einzubinden. Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat sich viel vorgenommen. Man könnte meinen, Frieden stünde unmittelbar bevor - wären da nicht unzählige Konjunktive und Parallelrealitäten.

Gleichzeitig zu angeblichen syrisch-israelischen Friedensinitiativen gibt es angebliche syrische Aufmarschpläne in der Golan-Region. Was die Syrer wollen, weiß in Wirklichkeit kein Mensch. Staatschef Baschir el-Assad sendet positive Signale aus und hilft zugleich Hisbollah und Hamas im Kampf gegen Israel. Mahmud Abbas sind durch die islamistische Hamas die Hände gebunden. Und so sehr sich die EU Frieden in Nahost wünschen mag - ihr Einfluss ist gering.

Trotzdem macht es Hoffnung, wenn die USA nun mehr Mühe auf die Nahost-Diplomatie verwenden wollen. Von zwei Vorstellungen sollten sich aber sowohl die Amerikaner als auch die Europäer schnell befreien. Der palästinensisch-israelische Konflikt ist, erstens, nicht der entscheidende Dominostein im „Kampf der Kulturen“. Auch ohne Israel gibt es den grundlegenden westlich-islamischen Konflikt. Zweitens hat sich gezeigt, dass in Nahost oft weniger mehr ist. Wer in der Hoffnung auf den Friedensnobelpreis eine schnelle, endgültige Lösung erzwingen will, wie seinerzeit US-Präsident Bill Clinton, kann schnell scheitern. Denn die Differenzen zwischen Israelis und Palästinensern sind existenzieller, als es aus der Ferne scheint.

Einen Plan wie das jetzt von „Haaretz“ veröffentlichte Geheimpapier zu einem israelisch-syrischen Ausgleich hatte vor sieben Jahren schon Israels damaliger Premier Ehud Barak, der sich „wenige Monate“ vom Frieden entfernt sah. Selten ist ein Visionär so umfassend gescheitert.

Im Gegensatz zum Iran ist Syrien allerdings rationalen Argumenten zugänglich. Eine Mischung aus wirklichen Verlockungen und glaubwürdigen Drohungen könnte Assad durchaus dazu bringen, sich dem Westen anzunähern. Ohne US-Engagement ist das undenkbar. Insofern macht die Rice-Initiative Mut. Doch die Konfliktparteien selbst müssen eine Lösung wollen. Und da gibt es in Nahost sehr unterschiedliche Signale.

Leitartikel im Kölner Stadt-Anzeiger, 18.1.07


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Kategorie(n): Ausland