Alan Posener (Gastautor) 27.02.2009 17:25 +Feedback
Durchgeknallte Atheisten
Der “Bund für Geistesfreiheit” in München schickt mir folgenden Aufruf:
“Im Darwin-Jahr ist der Giordano-Bruno-Stiftung wieder eine gute Aktion mit reichlich Pressewirkung gelungen! Sie schlägt vor, den christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt in “Evolutionstag” umzubenennen, was bereits einen Artikel im SPIEGEL eingebracht hat. Diese Idee sollte von möglichst vielen Personen durch die Unterschrift einer entsprechenden öffentlichkeitswirksam unterstützt werden. Die Petition zur Unterschrift findet Ihr auf http://www.darwin-jahr.de/e-day - bitte zahlreich unterzeichnen!”
Nun ja, wem “ein Artikel im Spiegel” bereits als Beweis für eine “gute Aktion” gilt, sollte sich in “Bund für Geistlosigkeit” umbenennen und jede Woche eine neue Umbenennung fordern: Wie wär’s mit “Big-Bang-Tag” statt Weihnachten? Und “Psychoanalysetag” statt Ostern? Statt Mariä Himmelfahrt schlage ich “Alice-Schwarzer-Tag” vor und statt Pfingsten “Esperanto-Tag”. Naja, undsoweiter eben. Es gibt ja für jeden Tag im Kalender einen christlichen Heiligen, den man durch einen weltlichen (Kofi Anan zum Beispiel) ersetzen könnte.
Solcher Umbenennungswahn ist erstens totalitär, weil er darauf abzeilt, die Vergangenheit auszulöschen, wie die Christen, die, nachdem ihre Religion zur einzigen Religion des Römischen Reichs ernannt worden war, die alten Kulte, ihre Tempel und Feste und die Erinnerung an sie auszulöschen versuchten, und sei es, indem sie ihnen einen christlichen Sinn gaben (Weihnachten statt Lichterfest, Ostern statt Frühlingsfest, Christus statt Adonis, Maria statt Venus und so weiter) - das Vorbild für spätere totalitäre Religionen wie jene der Jakobiner, Bolschewisten und Nationalsozialisten.
Zweitens ist gerade die Umbenennung von Christi Himmelfahrt im atheistischen Sinne bescheuert, weil jenes Fest die Erinnerung an eine biblische Behauptung wachhält, die für Christen einigermaßen peinlich sein müsste. Lukas schildert das in der Apostelgeschichte (Kap. 1) wie folgt:
“1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, 2 bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. 3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. 4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. 5 Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. 6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? 7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. 8 Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. 9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. 10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen 11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. 12 Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. 13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.” (Bei Lukas 24 wird das ähnlich geschildert).
Das heißt, wir sollen nach dem Zeugnis von “Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus” ernsthaft glauben, dass der auferstandene Jesus wie in einem schlechten Science-Fiction-Film vor ihren Augen gen Himmel fuhr, bis er von einer Wolke aufgenommen wurde.
Obwohl einem die Moslems in Jerusalem oben auf dem Ölberg, also in der Nähe von Betanien, in einer Moschee den Stein zeigen, auf dem der gen Himmel fahrende Jesus seinen Fußabdruck hinterlassen hat, muss man das nicht ernster nehmen als die Behauptung Mohammeds, er sei, ebenfalls von Jerusalem (dort sind die Startbedingungen offenkundig günstig) mit einem Pferd gen Himmel gefahren (aber anders als Jesus gleich wiedergekommen, leider. Man erinnert sich an das Lied: “Ach, wärst du doch in Düsseldorf geblieben...").
Das sind aber - um zu den Christen zurückzukehren - dieselben Zeugen, die auch für die Auferstehung des Gekreuzigten bemüht werden; und die vornehmsten Heiligen der Katholischen Kirche. Dass sie sich offenkundig zusammengetan haben, um ihrem jüngeren Zeitgenossen Lukas den Bären von Christi Katjuscha-gleiche Himmelfahrt aufzubinden, lässt auch das Zeugnis von der Auferstehung des Gekreuzigten in einem anderen Licht erscheinen.
Kurz und gut: Christi Himmelfahrt, Weihnachten, Ostern und Co. sollen bleiben, dazu Pessach, das Laubhüttenfest, Purim und so weiter, Ramadan, Zucker- und Opferfest, dazu Tag der Deutschen Einheit, Fourth of July, Quatorze Juillet und Guy Fawkes’ Day, an dem die Engländer bis heute die Errettung ihres Parlaments vor dem katholischen Terroristen Guy Fawkes und seinen papistischen Hintermännern feiern, indem sie den Finsterling als Puppe verbrennen. Je mehr Feste, desto besser. Gott rette uns vor den Umbenennern aller Couleur.
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