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  05.02.2012   20:41   +Feedback

Dummheit bestraft der Markt

Von Günter Ederer

„Das ist eine unterirdische Zahl für das 21. Jahrhundert, das geht so einfach nicht.“ So urteilte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) über den Umstand, dass nur 3,7 Prozent aller Dax-Vorstände weiblich sind.
Im Dax sind die 30 größten Aktienunternehmen der Republik zusammengefasst – also die Elite der deutschen Wirtschaft. Keiner kennt die Anforderungen an diese Manager so gut wie Dieter Rickert, der als exklusiver „Headhunter“ seit Jahren von Firmen beauftragt wird, diejenigen zu finden, die dann in den Vorständen vom Allianz-Versicherungskonzern bis zum Stahlgiganten Thyssen-Krupp die Verantwortung für hunderttausende Arbeitsplätze und Milliardenumsätze übernehmen.
Fassungslos beobachtet Dieter Rickert die immer intensiver werdenden Forderungen nach Quoten für Frauen in allen Bereichen des täglichen Lebens. „Woher nehmen, wenn nichts da ist“, stellt er lapidar fest und fällt über unsere Ministerin ein harsches Urteil: „Unterirdisch ist nur von der Leyens Logik.“ Die Firmen suchen händeringend nach Frauen, die die Erfahrung mitbringen, um einen Chemiekonzern zu führen, oder sich in der Welt der Automobilentwicklung auskennen. Top-Mathematikerinnen, Naturwissenschaftlerinnen gepaart mit volkswirtschaftlichen internationalen Kenntnissen und Erfahrungen, für sie alle hätte Rickert morgen einen Job – auch mit siebenstelligen Jahreseinkommen. Aber: keine da, auf die die Stellenausschreibungen passen.
Seine empirische Erfahrung: Von allen akademischen Berufsanfängerinnen in den großen Aktienunternehmen sind im Durchschnitt nur 20 Prozent weiblich. Und trotz aller feministischer Beschwörungen wollen von diesen nachweislich nur 20 Prozent ohne Wenn und Aber Karriere machen. Der Wunsch nach Kindern ist für sie immer noch erfüllender, als Boss zu werden.
So ergibt sich aus mathematischen Gründen, dass nur vier Prozent der Frauen in den Vorständen ankommen. Das mag für Frau von der Leyen unterirdisch sein, ist aber eine Realität, die nur durch eine langfristig geplante Veränderung der bisherigen Berufswünsche bei Frauen zu ändern ist – eine Entwicklung von Jahrzehnten.
Ein Unternehmen, das lieber einen geistig leichtgewichtigen Kerl einstellt oder befördert als eine kluge und kompetente Frau, wird dies früher oder später in den Bilanzen büßen. Dummheit bestraft der Markt. Die Vorstellung aber, der Staat könne durch gesetzliche Vorgaben eine Gleichheit herstellen, die es in der Natur nicht gibt, ist eine Überheblichkeit, die an Dummheit grenzt.
In den nächsten Jahren werden dank der demografischen Entwicklung die Arbeitskräfte knapp. Und je mehr diese Entwicklung greifbar wird, um so mehr wird die Chancengleichheit der Frauen im Beruf propagiert. Mir klingt das so ein bisschen nach „Frauen an die Front“. Wer da nicht mitmacht, wird gleich als rückständig verleumdet. Ich denke, dass wirkliche Emanzipation bedeutet, jeder Frau die Chance einzuräumen, ihren Weg zu ihrem persönlich Glück zu finden und sie nicht nach ihrer „Arbeitsplatzverwertbarkeit“ einzustufen. Und vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob eine Frau, die mehrere Kinder erfolgreich ins Leben entlässt, ohne dabei auf finanzielle Polster zurückgreifen zu können, mindestens so viel für die Gesellschaft geleistet hat wie ein Dax-Manager – ob er männlich ist oder weiblich.
Dax-Headhunter Rickert kommt zu dem Schluss, dass die 30-Prozent-Quote für Frauen in den Vorständen genau so unrealistisch ist wie die Vorstellung, dass ein Apfelbaum, der im Frühjahr kaum Blüten trug, trotzdem im Herbst jede Menge reifer Äpfel hervorbringt.
Sein Fazit, dem ich mich gerne anschließe: „Mark Twain hat einmal Überheblichkeit und Ignoranz als sichere Mittel zum Erfolg im Leben benannt. Wenn das zutrifft, ist zu befürchten, dass hier eine künftige Bundeskanzlerin spricht.“

Zuerst erschienen in der Fuldaer Zeitung:
http://www.fuldaerzeitung.de/

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Kategorie(n): Inland  Wirtschaft 

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