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  18.05.2009   22:10   +Feedback

Dr. Nathan Warszawski: Es geht ein Bus auf die Reise

Die Atheisten schreiten zur Tat. Wie einst die Apostel und Missionare, verkündigen nun die Atheisten ihre Unglaubenslehre. Unter http://www.buskampagne.de/ kann die Bustour in Deutschland verfolgt werden.

Früher, das sind nur wenige Jahre her, war alles besser. Die evolutionäre atheistische Gesellschaft, die sich nach Giordano Bruno nannte, erhob den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Nicht die Atheisten, die Agnostiker hatten das Sagen. Was ist der Unterschied zwischen einem Atheisten und einem Agnostiker? Der Atheist glaubt zu wissen, dass es keinen Gott gibt, der Agnostiker weiß, dass er nicht an Gott glaubt. Der Atheist ist somit ein Fundi, während der Agnostiker dem durchschnittlichen Juden ähnelt, der auch nicht an Gott glaubt.

Zurück zur atheistischen Kampagne:
Liest man den ersten Satz ohne den Inhalt der Parenthesis “Es gibt keinen Gott”, so kommt man als wissenschaftlich streng Denkender nicht umhin, diesen Satz als sinnlos oder als Propaganda zu erachten. Denn nach Karl Popper ist eine Aussage sinnlos, wenn sie weder beweisbar, noch widerlegbar ist.

Atheisten werden nun einwenden, dass die Aussagen einen Agnostizismus widerspiegeln, die den wahren Atheismus verwässert. Es stimmt! Denn wissenschaftliches Denken zerstört Wunschdenken.

Schließt man die Parenthesis mit ein - “Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott” -, so tritt zusätzlich der Widerspruch in ipso zu Tage. Denn der Satz lässt ein Hintertürchen offen, dass Gott doch existiert (man weiß ja nie!).

Nach dem Lesen des zweiten Satzes - “Ein erfülltes Leben braucht keinen Gott” -, wird klar, dass es sich bei diesen beiden Sätzen nicht um Wahrheiten, sondern um Praktikabilitäten, somit Wahrscheinlichkeiten handelt. Überlegungen über das Unfassbare außerhalb unseres Universums, die zunächst weder beweisbar noch widerlegbar sind, also streng wissenschaftlich unsinnig sind, können zu einer Wissensmehrung führen und somit irgendwann den strengen Kriterien der Wissenschaft genügen. Gott scheint in diese Kategorie zu gehören. Die (absolute) Wahrheit wird durch die Wahrscheinlichkeit verdrängt. Ähnlich der Physik Newtons, die weiterhin gelehrt wird, obwohl sie ungenau, also letztendlich wissenschaftlich falsch ist. Dennoch reicht sie aus, um die allermeisten Phänomene auf unserem Planeten zu erklären, weshalb sie weiterhin als wahr erachtet wird und somit praktisch wahr ist.

Beim Gottesbeweis ist die postpoppersche Methode für Theisten und Atheisten gleich gefährlich. Eine Schlussfolgerung kann lauten, dass solange Menschen an Gott glauben, Gott existiert, und wenn sie nicht mehr an ihn glauben, Gott nicht mehr existiert. Eine aberwitzige Vorstellung für einen Gläubigen Christen oder Juden über den Schöpfer des Universum! Auch der Atheist wird diese Aussage nicht leicht verdauen. Der wissenschaftlich denkende, agnostisch-evolutionäre Humanist fühlt sich dagegen bestätigt.

Für den gläubigen Atheisten besteht außerdem die Gefahr, dass bewiesen werden könnte, der Gottesglaube sei für ein erfülltes Leben notwendig, und dass somit Gott existiert.

Warum wird denn ein solcher Werbefeldzug von nach Wahrheit durstenden atheistisch-evolutionären Humanisten gestartet? Wäre die Kampagne durch die katholische Kirche oder die kommunistische Partei unter Stalin erfolgt, so wäre die Antwort einfach: Die objektive Wahrheit steht im Widerspruch zur subjektiven Wahrheit und hat somit Vorrang vor der subjektiven Wahrheit. Deshalb paktierten sowohl der Vatikan als auch Stalin mit Hitler, um ihre Kontinuität zu sichern.

Was erhoffen sich die Veranstalter mit dieser Kampagne? Bauern fangen? Nützt die Kampagne der Sache oder der Organisation? Läutet die Kampagne in unbarmherziger Dialektik das Ende des wissenschaftlichen Atheismus ein?

Fortsetzug folgt, eventuell. So G’tt will.

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Kategorie(n): Kultur 

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