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  24.01.2012   15:14   +Feedback

Die Wulff-Glaeseker-Affäre - nur eine Inszenierung?

Kann die Wulff-Glaeseker-Affäre überhaupt wahr sein? Zugegeben: Inhaltlich ist sie so kleinkariert, dass sie perfekt in die deutsche Wirklichkeit passt. Aber betrachten wir die Sache doch mal optisch. Christian Wulff und Olaf Glaeseker. Die beiden sind ein Traumpaar für jeden Casting-Direktor. Der Edle, Gute und sein dunkles Alter Ego. Das Paar ist für hohes Bühnen-Drama ebenso geeignet wie für Hollywood-Thriller.

Christian Wulff verfügt über die korrekte Physiognomie des feinen Helden. Klar, man möchte sagen: niedersächsische, ja angelsächsische Züge, keine unschönen Kanten, keine Unwuchten, keine Spuren irgend eines Lasters. Im Behördenwesen könnte er als Max Mustermann dienen. Im Western trüge er den weißen Hut. Auf der Bühne wäre er der Heldentenor.

Und dann Olaf Glaeseker. Hoch gewachsen und ein wenig ungeschlacht. Mit steil aufsteigender, sich nach oben verjüngender Stirn; dazu große, hypnotisch-intensive Augen, sowie ein verdächtig feines Lächeln. Er ist gänzlich ungeeignet für die Rolle des Max Mustermann, aber ideal für den bösen Buben in schwarzer Westernkluft und für den machthungrigen Bariton.

Doch so klar gecastet jeder Einzelne der beiden ist, als Paar sind sie nicht zu übertreffen. Sie sind einfach zu gut, um wahr zu sein. Unabweisbar drängt sich der Verdacht auf, dass die Wulff-Glaeseker-Affäre gar nicht Realität ist, sondern allenfalls eine Reality Show, wahrscheinlich aber eine groß angelegte Hollywood-Inszenierung. Der Titel des Blockbusterfilms: “Der Marmeladensponsor.”

Das Plot ist, zugegeben, ein wenig sparsam, die Höhepunkte sind etwas flach. Aber dieser Mangel wird durch eine aufwändige Ausstattung mehr als wettgemacht. Skandal im Schloss. Schöne Reisen in der Business-Class. Südländisches Luxus-Ambiente voller herrlicher Geschmacksverirrungen. Dazu eine schlanke blonde Frau in schicken Designer-Gewändern. Und viel internationale Polit-Prominenz als Statisten. Was macht es da schon, dass ein etwas unglamouröser Marmeladenhersteller eine Schlüsselrolle spielt und einen späten Plot-Höhepunkt liefert!

Sollte es sich also tatsächlich um einen Film handeln (die gesamte Optik und vieles andere sprechen dafür), dann stellt sich allerdings die Frage, ob es einem Bundespräsidenten und seinem Staatssekretär gestattet ist, sich selbst in einem Film zu spielen, zumal in einem womöglich amerikanischen Thriller. Außerdem: Haben sie für ihre Rollen ein Honorar bekommen, und wenn ja, wie viel und in welcher Währung? Und schließlich: Gab es in den Drehpausen Marmeladenbrote? Wenn ja, wurden sie ordnungsgemäß abgerechnet?

Lauter Fragen, auf die sich unsere bissigen Investigativreporter noch stürzen sollten. 

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Kategorie(n): Inland 

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