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  18.09.2007   08:51   +Feedback

Die syrische Mission

Das Schweigen ist laut. Noch immer hat sich Israels Regierung nicht zu dem Vorwurf geäußert, die Luftwaffe hätte Anfang September Ziele in Syrien angegriffen. Premier Ehud Olmert wird nur mit dem allgemeinen Satz zitiert, man könne nicht immer alle Karten offenlegen. Damaskus klagt zwar lautstark, Militärflugzeuge hätten syrischen Luftraum verletzt. Aber dazu, was diese dort gemacht haben, äußert sich das Regime widersprüchlich. Berichte in israelischen Medien, die in sicherheitsrelevanten Fällen einer Militärzensur unterliegen, sind vage. Vage, aber vielsagend.

Die israelische Zeitung “Haaretz” zitiert einen “früheren israelischen Offiziellen”, dieser “habe gehört”, dass die Luftwaffe eine Einrichtung attackiert habe, die möglicherweise nicht konventionelle Waffen herstellen könnte. Die Londoner “Sunday Times” ist genauer. Demnach haben israelische Kampfflugzeuge ein als landwirtschaftliche Forschungsanlange deklariertes Gelände bombardiert, das Teil eines Nuklearprogramms sei. Acht Flugzeuge der israelischen Luftwaffe hätten den Schlag in der Nacht zum 6. September ausgeführt, geleitet von einem Vorauskommando am Boden.

Nach Informationen des “Kölner Stadt-Anzeiger” ist die Darstellung grundsätzlich korrekt. Offenbar wurde eine kleinere Einrichtung angegriffen, in der Material lagerte, das mit einem Atomprogramm zu tun haben könnte. Berichte darüber, wie die Aktion genau ablief, sind jedoch Spekulation - ebenso wie die Frage, wie gefährlich die “verheerende Überraschung” Syriens tatsächlich ist, von der “eine israelische Quelle” in der “Times” spricht. Die Zeitung vermutet, die Überraschung sei die Arbeit an einer syrischen Atombombe mit Hilfe Nordkoreas. Dass der Kopf des pakistanischen Atomprogramms, A. Q. Kahn, Wissen und Technologie nicht nur mit Nordkorea und Iran, sondern auch mit Syrien geteilt haben könnte, vermutet die CIA seit Jahren. Auch Verbindungen zwischen Nordkorea und Syrien soll es geben. Nordkorea bestreitet dies. Vergeblich.

Die “Washington Post” berichtete vergangene Woche, ein Schiff unter nordkoreanischer Flagge habe am 3. September im syrischen Hafen Tartus angedockt. Offiziell hatte es eine Ladung Zement an Bord. Die Israelis gingen jedoch davon aus, dass es Nuklearmaterial beförderte. Die Hinweise auf das Schiff, die auf offiziellen Internetseiten zu finden waren, seien nach den Berichten über den angeblichen israelischen Angriff auf die syrische Anlage verschwunden und dann verändert worden.

Nach Darstellung von Geheimdienstkreisen, die die “Times” zitiert, soll der israelische Angriff “hoch erfolgreich” gewesen sein. Und so, als liege der Vorfall für jeden ersichtlich auf dem Tisch, sagte der ehemalige US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, dem israelischen Fernsehsender Channel 10: ”Ich glaube, das ist eine klare Botschaft nicht nur an Syrien, sondern auch an den Iran.

Dass Syrien wirklich eine Atombombe baut, ist allerdings unwahrscheinlich. Möglich ist, dass das Material in der Anlage in iranischem oder nordkoreanischen Auftrag nur versteckt werden sollte. Syrien dementiert jede der Spekulationen um einen erfolgreichen Angriff. Die israelischen Maschinen seien vom syrischen Radar entdeckt worden und hätten daraufhin ziellos Munition und Treibstofftanks abgeworfen, bevor sie flüchteten. Dass die Kampfjets einen wie auch immer gearteten Teil eines syrisch-nordkoreanischen Atomdeals attackiert hätten, nannte Syriens Botschafter in Washington “absolut, total und fundamental lächerlich und falsch”.

(Etwas gekürzt erschienen im heutigen Kölner Stadt-Anzeiger)

(Tobias Kaufmann)


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Kategorie(n): Ausland 

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