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  30.05.2010   22:09   +Feedback

Die kriminelle Energie der Stasi im Tatort “Schlafende Hunde”

Eine Frau versucht, mit ihrer Tochter zu telefonieren. Die will nicht wissen, dass sie mit ihrer Mutter spricht, legt lieber auf. Dabei hat man ihr gesagt, dass sie ein Adoptivkind ist, ihre Mutter politische Gefangene in der DDR war. „Ich kenne diese Frau nicht“, sagt die Tochter später zur Kommissarin, nachdem ihre Mutter tot aufgefunden wurde. Sie fühlt sich eher ihren Stasi- Eltern verbunden, mit denen sie nach dem Mauerfall nach Südamerika gegangen ist. Hier engagiert sie sich für die Indios, denen Unrecht angetan wird. Für das Unrecht in ihrem Geburtsland interessiert sie sich nicht. In ihrem Engagement für die Indios wird die junge Frau von alten Stasi-Seilschaften unterstützt. Sie will einen Waffentransport organisieren, um die gerechte Sache der Indios zu unterstützen. Der Mann, den sie zum Waffenschmuggel bewegen soll, ist inzwischen ein bekannter Bremer Großhändler, geachtet für sein soziales Engagement. Dass sie sich in diesen Mann verliebt, ist nicht geplant. Dass er ihr Vater ist, erfährt sie erst, als sie bereits seine Geliebte ist.
Eine schockierende Geschichte, die durchaus realen Bezug hat. Die vielen Unternehmen, die im Winter 1989/1990 mit Geldern aus dem von der SED unter der politischen Verantwortung des letzten SED-Chefs Gregor Gysi verschobenen DDR-Vermögen gegründet wurden, sind heute noch aktiv. Die ehemaligen Stasi-Seilschaften funktionieren. Es gibt nach wie vor tausende zwangsadoptierte Kinder, die nicht wissen, wer ihre wahren Eltern sind.
Der Tatort ist spannend und differenziert. Sabine Postel gelingt es absolut glaubwürdig zu zeigen, warum sich Kommissarin Lürsen, die als jugendliche Friedens-Aktivistin selbst ins IM-Netz der Stasi geriet, eine nicht untypische West-IM-Karriere, sich nicht mit ihrer Akte erpressen und von den Ermittlungen abhalten lässt.
Bezeichnend ist allerdings auf dem Tatort-Chat die häufig wiederkehrende Frage, ob die Story irgendetwas mit der Realität zu tun hätte. Ja, hat sie. Deshalb ist der Film so sehenswert.
Er ist unter http://www.tatort .de anzuschauen und zu bestellen.

(Vera Lengsfeld)


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Kategorie(n): Inland  Kultur 

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