Dr. Cora Stephan 31.01.2010 22:39 +Feedback
Die Deutschen und der Krieg. Wie wir verlernt haben, seine Gesetze zu verstehen
„Welche militärische Leistung bewundern Sie am meisten?“ heißt es in dem berühmten Fragebogen, der im 19. Jahrhundert in Pariser Salons zirkulierte und den Marcel Proust im Alter von 14 Jahren das erste Mal beantwortete. Eine Frage aus einer untergegangenen Epoche: Wer käme wohl heute noch auf die Idee, Militärisches bewundernswert zu finden oder gar eine Leistung dahinter zu vermuten?
Jedenfalls niemand in Deutschland. In Großbritannien pflegt das Volk die Schlachten noch zu kennen, die seine Könige glorreich gewonnen haben. In Frankreich ist man sogar auf Siege stolz, die andere für die Grande Nation errungen haben. Deutschland aber hat vorsichtshalber selbst 1870/71 vergessen. Zwei verlorene Weltkriege prägen das Gedächtnis.
Zwar übte die NVA der DDR bis an die Zähne bewaffnet noch die Verteidigung des Sozialismus, die Bürger der westdeutschen Bundesrepublik aber waren gewiß nicht unzufrieden mit dem Verlust der staatlichen Souveränität nach 1945, der ihnen diesen ganzen Zirkus ersparte. Die historische Erinnerung in Kriegsdingen ist hierzulande beim 30jährigen Krieg angelangt. Das heißt fürs Kriegsbild: wir denken dabei an maximale Verwüstung und Vernichtung der Zivilbevölkerung.
Und deshalb gilt hierzulande nichts schlimmer als Krieg, obwohl Naturkatastrophen und Grippeepidemien weit verheerender sein können. Das stellt deutsche Verteidungsminister und Außenpolitiker vor größte Probleme, seit 1990, seit Deutschland wieder ein souveräner, in militärische Bündnisse eingebundener Staat ist.
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Kategorie(n): Ausland


