Gastautor 06.03.2011 18:59 +Feedback
Deutsches Theater
Von Daniel Issing
Es gibt mehr als genug Gründe, das heutige Theater nicht zu mögen. Es nimmt sich selbst sehr wichtig und gibt vor, die Rolle des intellektuellen Kompasses übernehmen zu können, Das scheint wohl eine besondere Affinität von Künstlern zu sein, die sich seltsamerweise oftmals dazu auserkoren fühlen, als besonders gewichtige Meinung immerzu zu aktuellen Anlässen Stellungen beziehen zu müssen. Die Inszenierungen sind oft genug eine ästhetische Zumutung für den Zuschauer, der ständig mit Verfremdungseffekte konfrontiert wird - klar, man muss seiner Rolle als “kritisches Gewissen” ja gerecht werden. Gerne werden aus solchem Anlass Stücke auch ganz puristisch dargeboten - schwarzer Vorhang, ein Tisch, ein Stuhl, damit ja niemand vom kritischen Reflektieren abgelenkt wird. Oftmals wird auch “authentisch” inszeniert, was schlicht bedeutet, dass man Drogensüchtige anheuert, um Drogensüchtige zu spielen. Vielleicht wird der Beruf des Schauspielers bald einfach durch wahllos auf der Straße aufgelesen Menschen ersetzt.
Soweit die formalen Aspekte, was ja an sich schon schlimm genug wäre. Jedoch gibt es besonders in Deutschland die furchtbare Vorstellung, Kritik und Unterhaltung sind zwei Puzzleteile, die einfach nicht zusammenpassen. Deswegen ist das deutsche Theater in erster Linie immer moralisch-belehrend; wenn überhaupt mal gelacht wird, dann über die immer gleichen Witze: Kohl ist dick, Bush ist dumm und so weiter. Die inhaltliche Ausrichtung ist zudem einer bemerkenswerten Gleichschaltung unterworfen, schwer vorstellbar, einmal einen konservativen Regisseur zu erleben. Dementsprechend wiederholen sich die Themen auch ständig: Technik-und Fortschrittskritik, Kapitalismuskritik, paranoide amerikanische oder israelische Zerrbilder, Umweltzerstörung, Gier. Am Ende verlässt der Besucher das Stück, oftmals unsicher, was der Regisseur im Detail sagen wollte, aber doch mit der unzweifelhaften Sicherheit, zum besseren Teil der Menschheit zu gehören, der sich nicht von niederen Instinkten wie Profitgründen leiten lässt.
Dabei kommt besonders der Realitätsverlust der linksalternativen Szene zum Ausdruck, die stets auf “die da oben” schimpft, obwohl sie selbst längst dort angekommen ist und den Ton angibt. Ein besonders häufiges Phänomen dieser Gattung ist entsprechend der Querdenker, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und trotzdem seltsamerweise überall dafür Zustimmung erfährt. Ein Claus Peymann, der als Intendant am Berliner Theater etwa eine halbe Millionen Euro im Jahr verdient und trotzdem mit Christian Klar, dem er einen Job anbot, sympathisiert, einem neunfachen, aber herzensguten Mörder, der nur das Beste wollte: den Tod des Kapitalismus für ein besseres Leben der Menschen in der dritten Welt. Sie sollte sich dazu unbedingt einmal dieses Video von einem Interview mit Jan Fleischhauer ansehen:
http://www.youtube.com/watch?v=rt65rHm8pUY
Was ich mich im Angesicht dieser doch recht langen Liste immer wieder frage: Wie kann es eigentlich sein, dass diese Form von Kunst so massiv vom Staat subventioniert wird? Diese Frage verdreht jedoch Ursache und Wirkung; die deutsche Theaterkunst liegt gerade deswegen so am Boden, weil sie so stark gefördert wird - im Gegensatz zu Amerika beispielsweise, wo es einen harten Konkurrenzkampf um die Kundschaft gibt. Auf Staatskosten lebt es sich nun mal sehr erträglich, insofern sind Anstrengungen, dem Publikum ein gelungenes Stück zu bieten, im Prinzip unnötig und mühselig obendrein. Das erklärt auch die Zuneigung vieler Künstler zu totalitären Systemen: Dort konnte sie sich wichtig machten, lebten von Steuergeldern und hatten auch sonst einen sehr angenehmen Stand, solange keiner auf die Idee kam, eine abweichende Meinung zu präsentieren.
Daniel Issing macht gerade das Abitur und will danach Physik und Politologie studieren.
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Kategorie(n): Kultur


