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  18.03.2010   04:17   +Feedback

Der Wurmfortsatz des Sozialismus

Von Rolf Menrath

Geschichte und Politik sind schöne Hobbies, man lernt viel über Zusammenhänge und Abläufe, gewinnt Einsichten, sammelt Ansichten. Aber wie oft geschieht es, dass fremde Fakten störend wirken und andere Meinungen den freien Fluss der eigenen Gedanken behindern. Am besten ist es da, man bastelt sich ein geschlossenes Wahnsystem aus überall erhältlichen Versatzstücken.

Ein besonders gelungenes stellte nun Herr Hermann Dierkes von der-die-das Linke vor - am 16.03.2010 im Internationalen Zentrum der Volkshochschule Duisburg. Er las Auszüge aus seinem mit Sophia Deeg verfassten Werk “Bedingungslos an der Seite Israels - nur bedingt auf der Seite des internationalen Rechts”. Nun hatte ich mir eigentlich schon 1976 geschworen, mich nie mehr in einem Raum mit Sozialisten aufzuhalten, nachdem ich damals mit den Genossen des Sozialistischen Büros nach Brokdorf mitgefahren war; doch dieses Video hat mich neugierig gemacht:
http://www.ruhrbarone.de/linkenpolitiker-dierkes-das-lappische-existenzrecht-israels/

Würde er das L-Wort wieder sagen? Würde ich den offensiv-beleidigten Pathoswogen dieses selbsternannten Rächers der Entrechteten und Künder des Heils widerstehen können?

Dierkes Methode ist es, den Staat Israel zu deligitimieren: „Entmenschlichung der Palästinenser durch die so genannte IDF, Propaganda, Zensur, Gaza=Massaker, Israel ist alles erlaubt, die Araber werden entsorgt. Planmäßige Vertreibung und Ermordung, völlige Auslöschung der Kultur, der Zionismus als Wurmfortsatz des europäischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts, gegen das Völkerrecht, repressiv undemokratisch. Da hört jeder Spaß auf.“ (Zitate Dierkes, ich habe mitgeschrieben.)

Gegen so was zu sein, gegen Apartheid einen Boykott zu verlangen, das kann ja gar nicht antisemitisch sein. Schließlich kämpft Dierkes nicht nur für die arabischen Opfer, sondern auch für die vom Nationalsozialismus ermordeten Juden. Er sagt, das, was mit den Arabern gemacht wurde, sei “schlimmer als alles, was bis 1938 - ich betone: bis 1938 - mit den Juden gemacht wurde.” (O-Ton Dierkes) Hier hat sein System die einzige Schwachstelle, er sollte dringend nachbessern und sagen: von 1933 bis 1938, ansonsten kämen ja auch die Jahrhunderte zuvor zum Tragen, mit Judenverfolgung und Pogromen in Europa und in der islamischen Welt.

Zwischendurch kriegt der Hermann noch persönlich et arm dierkes, beklagt sich bitterlich über Verleumdung, Verfolgung und Zensur. Und er verspricht: Ab morgen wird zurück geschossen, juristisch

Dann ist er endlich fertig, und es kommt die Fragestunde. Aus gutem Grund wird die Redezeit auf drei Minuten beschränkt, man weiß ja, wozu Linke verbal in der Lage sind. Auf die Frage, wie der von ihm gerechtfertigte bewaffnete Widerstand aussehen dürfe und ob er Bombenanschläge und das Beschießen mit Raketen auch für legitim halte, zählt Dierkes sämtliche Waffen des Staates Israel auf und sagt, dass Widerstand zulässig sei bei illegaler Besatzung und wenn die Besatzungstruppen ihren Pflichten nicht nachkämen. Raketen auf zivile Ziele seien zwar völkerrechtswidrig, aber so, wie die Palästinenser drangsaliert würden, sei das nachvollziehbar.

Na klar, wenn ich alle Düngemittel aufbrauchen muss, um sie auf meinen Nachbarn abzuschießen, der seinen Dünger benutzt, um fette Ernten einzufahren. Dabei könnte die Welt so schön sein, wenn nur das israelische System verschwände. Die überlebenden Juden könnten dann friedlich - Hand in Hand mit der Hamas, dem islamischen Jihad, der PLO und den Moslembrüdern - einen wahrhaft gerechten Sozialismus aufbauen. Um die Opfer des Versuchs würde sich Dierkes persönlich und liebevoll kümmern. Aber der Jude will ja nicht.

Rolf Menrath lebt in Duisburg, einer “untergehenden Goldgräberstadt”, in der “die beklopptesten Bandidos um die Vorherrschaft”, kämpfen.

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Kategorie(n): Inland 

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