21.09.2012   18:51   Leserkommentare (0)*

Der ultimative Deeskalator: Ermüdung

OK, liebe Leser, hier ist die definitive Lösung für den Karikaturenaufuhr: Mehr Karikaturen! Und zwar viel mehr! Ist doch ganz einfach: Jede Empörungswelle kostet die Hysteriker vor den Botschaften viel Kraft. Man muss sich ihre Empörungslogistik einmal konkret vorstellen: Aufregen, zusammenrotten, stärker aufregen, Wurfgeschosse verteilen, dann hin zur Botschaft, noch stärker aufregen, dann Botschaft zertrümmern. Manchmal sogar gegen die milde Gegnerschaft der örtlichen Polizei. Das ist anstrengend! Und auf Dauer auch recht eintönig.

Wenn wir (also “die westlichen Medien”) dem gängigen Botschaftenstürmer also Grund genug geben, jeden Tag auch nur auf 20 Vertretungen loszugehen, dann wird er am Anfang vielleicht noch eifrig dabei sein. Nach ein oder zwei Tagen aber dürfte die Motivation schon nachlassen. Um nach spätestens einer Woche komplett zu versiegen. Und zwar für Monate, wenn nicht für immer! Unser einst hochmotivierter Protestmann wird in den Redaktionsstuben von Titanic und Co. vorstellig werden, um höflich zu BITTEN, doch keine weiteren fiesen Bilder zu drucken. Weil er sonst wieder los muss. Oder er wird protestbasisgruppenintern nach Ausflüchten suchen. „Schon die neue, erschütternde Titatic gelesen, Bruder?“ „Nee, die klauen se mir immer aus dem Briefkasten.“

Das wäre übrigens auch ein Stück Demokratievermittlung. Denn die bei uns herrschende Meinungsfreiheit führt ja leider nicht zu permanenten, überaus niveaustarken Polit- und Kunstdiskursen. Die meist auf dürftigem Level geführten Debatten über „die Grass-Thesen“ vor ein paar Monaten haben das gezeigt. Nein, Markenzeichen der aufgeklärten Mediendemokratie ist vielmehr die Langeweile. Politisches Kabarett verleitet uns nicht zum Aufregen und auch nicht zum stundenlangen Diskutieren. Sondern zum gelangweilten Zurkenntnisnehmen – und ansonsten zur Ermüdung. Und das ist auch absolut in Ordnung so.

Einziges Problem: Wie denkt man sich genügend Karikaturen aus? So viel gibt Mohammed nämlich nicht her. Schon der so genannte „Schmähfilm“ war ja nicht besonders komisch. Die Titanic hatte auch schon bessere Cover. Zu befürchten ist also, dass die ästhetisch doch recht karge Figur des Mohammed einfach nicht genug Material für böse Bilder liefert (worin sie sich übrigens ins nichts von Jesus unterscheidet).

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Kategorie(n): Kultur  Bunte Welt 

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