Richard Wagner 14.01.2009 08:35 +Feedback
Der KGB tanzt
Nun, im Jahr, das zwei Jahrzehnte seit dem Ende des Kommunismus markiert, denkt der Arglose, es wäre klar, dass - und vor allem auch - was es zu feiern gelte.
Diese Rechnung wurde ohne Dresden gemacht. Dort legt man nämlich den roten Teppich für Wladimir Putin aus. Der vorübergehende Premier und zukünftige Präsident Russlands, oberster Schirmherr vertragsbrüchiger Gaslieferanten, Kaukasus- und Kaukasusberichterstattungs-Bezwinger und Inhaber zahlreicher weiterer wenig schmeichelhafter Titel, hat auch etwas zu feiern: Zwanzig Jahre seit seiner unfreiwilligen Abreise aus der Stadt.
Ohne diese Abreise, und speziell ihre Ursachen, wäre er schließlich nie Präsident von Russland geworden, und schon gar nicht Ministerpräsident. Im Kreml würden immer noch die Kommunisten das Sagen haben, und der KGB hätte weiterhin bei Lenins Leichen Meldung zu machen. Der Vorteil? Bei Russland stünde immer noch drauf, was drin ist.
An diese Schauerroman-Perspektive der Geschichte müssen auch die Dresdner Mützen gedacht haben, als sie Putin, dem Ex-KGB-Residenten, den „Sächsischen Dankesorden“ anboten. Zumindest die Juroren unter ihnen. Der Orden folge einem Motiv des Heiligen Georg aus dem Grünen Gewölbe und sei damit dem „Kampf für das Gute“ gewidmet.
Putin und der Kampf für das Gute? Sollte man das nicht auch als einen besonders geschmackloser Kommentar zur Erinnerung an die ermordete Journalistin Anna Politkovskaja verstehen?
Nein, ganz und gar nicht, schallt es einem aus der Oper entgegen. Putins Verdienste um den deutsch-russischen Kulturaustausch wolle man würdigen. So der Jurysprecher Hans-Joachim Frey. Ob damit die Beutekunst gemeint ist, die Russland nicht herausgibt? Dann wäre der Orden also eine sanfte Mahnung an den Kreml- vermessenden Eurasier.
Im Grunde ist alles wie immer in unserem Land: Der ungebetene Gast kommt mit regelrechter Einladung. Man bewirbt sich weiterhin gerne um den Posten des nützlichen Idioten. Gewiss, Dresden wäre gern Wien, aber auch die neueste Putin- Posse ist nur ein weiterer Beweis für ein großes Missverständnis, das wir schon viel zu lange und mit falscher Großzügigkeit zur Kenntnis nehmen.
Dass Dresden nicht Wien ist, liegt nicht nur an der preußischen Banalität der kleindeutschen Lösung, sondern vor allem an der DDR-Tradition und deren Krähwinkel-Wurzeln. Das Fatale an der Provinz ist, dass sie alles durch menschliche Schwächen zu erklären weiß. Als ginge es um den Glanz und nicht um den Wert. Der Autokrat gilt als Politiker. Das Tal der Ahnungslosen lebt weiter.


