10.10.2008 21:26 +Feedback
Der inflationäre Chavez
Das wahrscheinlich am häufigsten gebrauchte Wort dieser Tage ist nicht „Finanzkrise“ sondern „Kapitalismus“. Der Kapitalismus habe versagt, heißt es etwa alle 10 Minuten.
Venezuelas Turbo-Marxist und Chef-Amerikahasser Hugo Chavez hat sich wieder einmal an die Spitze der Wunschbewegung gestellt. Er hat den Inbegriff des Gringo-Kapitalismus, McDonald’s, abgestraft. Dessen venezolanische Filialen wurden für 48 Stunden geschlossen. Angeblich wegen Steuervergehen.
Hört man sich in diesen Tagen in der deutschen Öffentlichkeit um, wird man den Eindruck nicht los, es herrsche auch hier, trotz der allgegenwärtigen Krisenbeschwörung, eine nicht ganz chavezfreie Stimmung. Die üblichen Verdächtigen unter unseren Diskurspflegern und ihre unsterbliche Sympathisantenszene tragen den Triumph lächelnd mit sich herum. Sie tun es diskret, aber durchaus erkennbar. Als wären sie allesamt in Guantanamo, und ihren Bewachern gehe die Munition aus.
Jetzt zeige es sich unverhüllt, dass sie, die Berufs-Welterklärer doch recht gehabt hätten. Trotz 1989, dass sie mehr oder weniger heimlich für ein lausiges Jahr halten.
Nun passt wieder alles, was man sich in der Jugend so angeeignet hat. Sie tragen also nicht ohne Stolz ihren ideologischen Konfirmationsanzug. Und er passt. Sie begrüßen mit ihren Veteranenstimmen die angebliche Rückkehr des Klassenkampfs. Und alles ist wieder wie früher. Nur, dass man jetzt noch etwas mehr auf dem Konto hat. Auf dem Konto?
Wie gut, dass der Leninismus seine Aufmerksamkeit exklusiv dem Gegner widmet. So muss sich seine Anhängerschaft nicht über sich selbst Gedanken machen oder sich gar rechtfertigen. Sie blickt mit Wohlwollen auf den sich aufbäumenden Feind, während die Kapitalismuskritik wieder einmal dem Kapitalismus vorauseilt. Sie ist dort angekommen, wo der Kapitalismus auch jetzt noch nicht ist, bei der Dauerinflation.
Siehe auch: Venezuela shuts down McDonald’s
http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/americas/7663951.stm
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Kategorie(n): Inland Wirtschaft


