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  20.09.2011   17:51   +Feedback

Der famose Herr Asmussen

Von Jürgen Braun

Deutsche Medien und die Euro-Krise: nur ein Beispiel

Das Drehbuch wäre als „total unglaubwürdig“ von jedem Filmproduzenten abgelehnt worden: Da macht ein junger Mann an den Schaltstellen von Politik und Finanzwelt nahezu alles falsch, wird von Experten mitverantwortlich gemacht für gigantische Schäden, ohne jemals zur Verantwortung gezogen zu werden. Seine teure Schleimspur zieht sich durch die deutsche Politik seit über zehn Jahren. Als Dank wird er ständig befördert und landet schließlich im Euro-Olymp – unter Beifall von Politik und Medien. Ja, Jörg Asmussen ist ein ganz toller Hecht. Er ist wahrlich einzigartig. Wir träumen von gleich zwei Asmussens: Deutschland bräuchte keinen Euro an Griechenland zu überweisen, denn Deutschland hätte schon einige hundert Milliarden mehr verpulvert. Dann würde kaum einer noch deutsche Staatsanleihen kaufen, wir wären insolvent. Bisher nur ein Traum.

Aber der Reihe nach: Was hat SPD-Mann Asmussen im Finanzministerium von Eichel bis Schäuble geleistet? Doch kurz vorab: Wir sind keine Insider, wir wissen nicht, ob er sein Fahrrad in Berlin immer abschließt oder ob und wie er seine Mitarbeiter täglich grüßt. Wir kennen auch nicht seinen Friseur oder seinen Bioladen. Kurz, wir wissen all das nicht, worin die letzte Kernkompetenz des deutschen Hauptstadtjournalismus zu bestehen scheint.

Jörg Asmussen saß im Aufsichtsrat der IKB. Dann musste die halbstaatliche Bank als erste mit Milliarden an Steuergeldern gerettet werden, weil sie zu viele ABS-Papiere, also Kreditverbriefungen, gekauft hatte. Gleichzeitig war Asmussen im Verwaltungsrat der Bankenaufsicht BaFin, die solche Pleiten verhindern sollte. In seiner dritten Funktion als Staatssekretär hatte Asmussen noch 2007 die BaFin aufgefordert, weniger eigene Prüfungen der Banken vorzunehmen. Tausendsassa Asmussen saß auch im Beirat der Lobby-Group TSI, deren Ziel die Entwicklung eben dieses Marktes mit den unsäglichen ABS-Verbriefungen war. Das war ausnahmsweise nur konsequent, hatte Asmussen doch jahrelang den ABS-Markt gefördert. 2006 schrieb er stolz von den Erfolgen der staatseigenen KfW beim Schaffen des „wohl größten Verbriefungsprogramms in Europa“. Schon unter dem rot-grünen Minister Eichel wirkte Asmussen daran mit, jene Kreditverbriefungen in Deutschland zu erlauben. Das Spielcasino war eröffnet, die Verluste übernimmt der deutsche Steuerzahler.

Während der Finanzkrise 2008 mimen Minister Steinbrück und sein Adlatus Asmussen dann die Biedermänner. Steinbrück schimpft seitdem erfolgreich auf die Brandstifter der Finanzindustrie. Und Feuerwehr spielen die beiden nach jahrelanger Zündelei mit Brandbeschleuniger-Papieren auch gerne: Um die Steuermilliarden an Pleitebanken zu verteilen, wird der Rettungsfonds SoFFin gegründet. Vorsitzender des Lenkungsausschusses wird ausgerechnet Asmussen. Das alles sind keine Geheimnisse, nachzulesen in den Bestsellern von Hans-Olaf Henkel und Günter Ederer.

Was davon berichten die deutschen Medien, allen voran ARD und ZDF, an jenem Wochenende nach dem Rücktritt von EZB-Vizechef Jürgen Stark? Nahezu nichts. Dafür ist ständig die Rede vom famosen SPD-Finanzfachmann Asmussen als Starks Nachfolger, den die CDU-Leute Merkel und Schäuble vorschlagen. Kritische Nachfragen? Keine.

Zuerst erschienen im Medienmagazin rundy 18/2011 vom 20. September 2011

http://www.rundy.de

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Kategorie(n): Inland  Wirtschaft 

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