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  26.09.2009   19:18   +Feedback

Der falsche Michael Moore. Zum Thema Qualitätsjournalismus

Michael Moore kennt bei uns jedes Kind. Wussten Sie, dass es in den USA mittlerweile eine Art Kopie von ihm gibt? Ich auch nicht, bis ich gestern in der „Sunday Times“ davon las. Schon in der ersten Zeile stand freilich, dass es sich bei dem Nachahmer um einen „konservativen Studenten“ handelt. Deshalb war mir auch relativ schnell klar, warum bei uns so gut wie nichts über ihn zu lesen ist.

Der Mann heißt James O´Keefe, ist 25 Jahre alt und hat sich darauf spezialisiert, Personen und Aktivisten-Gruppen zu blamieren, die in Amerika unter dem Label „liberal“ firmieren, was dort so viel bedeutet wie bei uns links. Eine Organisation heißt „Planned Parentship“ und ist ein Pro-Abtreibungs-Verein, gegen den viele rechte Amerikaner Sturm laufen. O´Keefe rief dort an und versprach eine Spende, wenn sie zweckgebunden verwendet würde. Bei ihm in Ohio gäbe es viel zu viele Schwarze, ob es in Ordnung ginge, dass mit seinem Geld speziell schwarze Babys abgetrieben würden?…

„Absolut“, lautete die Antwort. Der Schelm setzte noch einen drauf und erklärte, er wolle seinen Kindern ersparen, bei der Zulassung zur Universität mit Kindern aus Minoritäten-Gruppen konkurrieren zu müssen. Die Familienplaner schienen sich an solch hehren Spendermotiven nicht zu stören. Der Mitschnitt des Gesprächs, auf YouTube zu hören, sei „schwerstens bearbeitet“ worden, lamentierten sie später.

Ich finde so was eigentlich ganz lustig. Richtig subversiv, die Nummer! Wie Wallraff früher. Warum bloß liest man hierzulande nichts drüber? Richtig groß raus kam der Studi erst kürzlich mit einem Video, auf dem er und die 20jährige Mitstudentin Hanna Giles die linke Aktivistengruppe Acorn um Hilfe bitten, die in Amerika als Kampforganisation der Demokraten gilt. Er sei Zuhälter, sie eine seiner Prostituierten, und die beiden wollten groß ins Geschäft einsteigen. Acorn-Mitarbeiter gaben ihnen detaillierte Ratschläge, wie man ein Bordell aufmacht, die Steuer betrügt und 13jährige Mädchen aus Südamerika in Land schleust, um sie Sexarbeit für sich machen zu lassen.

Ein richtiger Hammer. Und er machte auch richtig Furore; insofern nämlich, als nach der Enthüllung Acorn ruckartig die Gunst der Demokraten verlor und auch die öffentlichen Gelder los wurde, von denen die Gruppe gelebt hatte. O´Keefe, der sich einen „konservativen Radikalen“ nennt, konnte seine Videos sogar in der satirischen, amerikaweit ausgestrahlten „Daily Show“ des ansonsten eher linksgewirkten Moderators Jon Stewart zeigen. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen der Deutschen, die sich ansonsten mit jedem Käse aus Amerika beschäftigen, nicht ein Sterbenswörtchen.

Und unser hoch gelobter Printsektor? Ich habe die Begriffe „James O´Keefe“, „Amerika“ und „konservativ“ bei Google eingegeben und ganze zwei Artikel gefunden, die den Fall aufgegriffen hatten. Einer stand im „Tagesspiegel“, der andere in der „Financial Times Deutschland“. Soweit zum Thema Qualitätsjournalismus.

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