David Harnasch 06.09.2008 15:36 +Feedback
Der Direktor spricht
Die Berliner Zeitung bringt ein extrem lesenswertes Interview mit Bernhard Blaszkiewitz, dem Direktor des Berliner Zoos. Ja, dort lebt Knut.
“Tierversuche unterliegen bei uns von vornherein immer einer negativen Wertung: Tierversuch ist schlecht. Aber das ist nicht richtig. Für das Individuum ist es sicherlich schlecht, wenn es daran stirbt. Trotzdem möchte ich, dass ein Medikament, was der Mensch anwendet, vorher am Tier ausprobiert wird. Ob man nun Millionen von Labortieren rauchen lassen muss, um zu erweisen, dass das gesundheitsschädlich ist, ist natürlich diskutierbar. Aber es gibt eine ganze Reihe von Tierversuchen, die im Sinne der Humanmedizin nötig und wichtig sind. Ich persönlich muss zum Beispiel Betablocker nehmen, und ich finde es besser, wenn man vorher ausprobiert, dass die funktionieren.
Und was sagen Sie zu Tierversuchen im Bereich der Kosmetik?
Ich benutze keine Kosmetik. Klar, es gibt bestimmte Bereiche, wo Tierversuche sinnvoll sind und wo sie nicht sinnvoll sind. Ich wehre mich allerdings gegen diese Pauschalisierungen: Der Jäger ist böse, wer medizinische Tierversuche macht ist böse, der Zirkusdirektor ist böse - das ist für mich alles Unsinn.
Das Verhältnis des Menschen zu Tieren kann sehr unterschiedlich sein: Wenn es um die drohende Tötung eines kleinen Eisbären geht, ist die Aufregung groß, die Schlachtung von Tausenden Tieren jeden Tag kümmert hingegen niemand. Wie erklären Sie sich dieses unterschiedliche Verhalten?
So ist der Mensch. Denken Sie an sich selber: Wenn Sie erfahren, dass ein Ihnen nahestehender Mensch stirbt, rührt Sie das mehr, als wenn Sie lesen, dass in Bangladesch bei einer Überschwemmung 10 000 ertrunken sind. Warum? Weil Sie diese Menschen nicht kennen. Sie sehen das vielleicht im Fernsehen, aber Sie haben keinerlei Gefühl dafür. Gefühl beim Menschen ist immer personell gebunden. Um so schlimmer ist es, wenn ein Angehöriger stirbt, oder ein guter Freund.
Und Knut war in diesem Sinn ein guter Freund?
Knut hat uns angeguckt. Dieser liebe, kleine, hilflose Eisbär. Natürlich sind die Menschen davon eher berührt, als wenn der WWF seine neuen Zahlen präsentiert, nämlich dass in Russland pro Jahr immer noch 3000 Eisbären gewildert werden. Da sagen die Leute vielleicht: “Oh, ist ja schlimm.” Aber das ist weit weg. Wenn Sie den Leuten zeigen, wie Kühe geschlachtet werden, dann denken die natürlich zuerst: “Um Gottes willen.” Aber dann essen sie weiter ihr Steak, vernünftigerweise, weil der Mensch ist nun mal ein Gemischtköstler. Es gab zwar diese Geschichten, besonders bei den Legebatterien, wo von Hühner-KZ gesprochen wurde, wo das emotional sehr aufgewühlt wurde. Klar, dass das für die Hühner nicht schön ist, darüber muss man nicht diskutieren. Aber dann müssen Sie den Leuten auch sagen, was eine andere Haltung bedeutet. Dann kostet ein Ei eben 60Cent. Wenn die Leute das wollen...” Hier weiterlesen!
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Kategorie(n): Wissen Bunte Welt

