Michael Miersch 02.07.2012 21:10 +Feedback
Der deutsche Konsens (6)
15 Dinge, in denen sich alle einig sind
6. Amerikaner sind dumm und gewaltsüchtig
Nicht typisch deutsch, aber in Deutschland sehr ausgeprägt, ist die Verachtung Amerikas. Wer behauptet, Türken oder Tunesier seien dumme Tölpel, ungebildet, grob und aggressiv, verliert auf der Stelle jegliche Reputation und entlarvt sich als Rassist. Das Gleiche darf man aber über Amerikaner unwidersprochen in jeder Talkshow sagen. Dass die amerikanischen Regierungen aus kriegslüsternen Rabauken bestehen, die an den Fäden des Big Business hängen, versteht sich von selbst. „Nun ist diese eine Weltmacht übrig geblieben“, klagte Günter Grass, „aber hat aus sich selbst, aus ihrer Ich-Bezogenheit heraus, wenig Ahnung vom Rest der Welt. Sie gehen davon aus, die Weltmacht zu sein, die alles unter Kontrolle zu halten hat. Viele Amerikaner neigen dazu, das in erster Linie nach ihren Interessen zu ordnen – was zumeist Wirtschaftsinteressen sind.“ Und der Fernsehmoderator Roger Willemsen formulierte mit dem ihm eigenen Zartgefühl, wie ihn die Erschießung Osama bin Ladens durch ein amerikanisches Spezialkommando tief erschütterte: „Man beweist sich die Höherrangigkeit der eigenen Kultur, indem man Völkerrecht bricht, einen mutmaßlichen Terroristen in einem fremden Land erschießt, seine Leiche ins Meer wirft.“ In Wahlkampfzeiten schlägt das Herz der deutschen Öffentlichkeit stets für den Kandidaten der Demokraten, weil die Republikaner hierzulande als semifaschistische Partei angesehen werden. Wird der Demokrat dann aber Präsident, erkaltet die deutsche Sympathie für ihn.
Fortsetzung folgt
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Worum geht‘s in dem Buch?
Atomkraft ist böse, Biokarotten sind gut, Amis sind doof und der Westen ist an allem schuld. Darin sind sich alle einig, von den Katholiken bis zu den Anthroposophen, von „Bravo“ bis „Brigitte“, von arte bis RTL. Wie kam es zu diesem neuen deutschen Konsens? Sind die Achtundsechziger schuld, wie viele Konservative meinen. Michael Miersch sagt nein, der Zeitgeist steht nicht links. Er ist der direkte Nachkomme der Blumenkinder.

