Michael Holmes (Gastautor) 19.05.2007 16:56 +Feedback
Das Otto-Suhr-Institut der FU ruft zum Widerstand
Das Berliner OSI hat seit langer Zeit dasselbe Problem wie viele Politikinstitute: die Linke und insbesondere die radikale Linke politisiert und dominiert die meisten Seminare. Die Linke ist nicht nur in der Überzahl (das kann man ihr schlecht vorwerfen!), sie schreit auch am lautesten. Immer wieder habe ich mit Studenten geredet, die liberal, konservativ, moderat links oder einfach unentschieden waren, aber in der Uni nicht mehr oder selten ihre Meinung äußern. In Amerika scherzt man gerne, der Kommunismus konnte nur an drei Orten überleben: in Kuba, in Nordkorea und auf dem Unicampus.
In diesen Wochen, vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm, läuft die Politisierung des Lehrbetriebes wie erwartet auf Hochtouren. Es wäre für die Institutsleitung sicher nicht einfach gewesen, die Freiheit der Forschung gegen diesen Druck zu verteidigen. Sie hat es nicht einmal versucht. Stattdessen hat sie das faktenresistente und dissensfeindliche Klima noch gefördert, indem sie die linksradikal dominierte G8-Woche zu einer offiziellen Veranstaltung erklärte.
Werfen wir doch einen Blick auf die Linkliste der Veranstalter. Attac ist da noch harmlos. Auf einigen Seiten wird offen zur gewaltsamen Abschaffung der herrschenden Ordnung durch die kommunistische Revolution aufgerufen.
Von diesen linksradikalen Politaktivisten erhielten die Dozenten des OSI folgenden Brief, von dem sich das Institut nie distanziert hat:
“Liebe Dozierende des OSI,
20.03.2007
wie Sie hoffentlich schon zur Kenntnis genommen haben, findet im
Sommersemester 2007 am Otto-Suhr-Institut eine Themenwoche zum Themenkomplex
G8 statt. Die Woche ist ein studentisch organisiertes Projekt, dessen Ziel
es ist, eine politisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema im
Vorfeld des diesjährigen G8-Gipfels in Heiligendamm zu initiieren. Wir
denken, das OSI ist als großes politikwissenschaftliches Institut mit einem
internationalen Schwerpunkt der geeignete Ort dafür. Die Woche wird vom 7.
bis 11. Mai stattfinden und ist durch einen Beschluss des Institutsrats eine
offizielle Veranstaltung des OSI.”
Hervorhebung von mir.
“Unsere Idee ist es, die G8 im Kontext der Globalisierung innerhalb dieser
Woche in den Mittelpunkt des Lehr- und Lernbetriebs zu stellen.”
Wer aber seid ihr, dass ihr allen Dozenten und damit auch allen Studenten vorschreiben dürft, was der Mittelpunkt ihrer Studien zu sein hat?
“In zahlreichen Veranstaltungen vielseitiger Art sollen Studierende und
BesucherInnen die Möglichkeiten haben, am Diskurs teilzuhaben und
teilzunehmen. Besonderen Wert legen wir dabei auf die politische
Heterogenität, wissenschaftliche Kontroversität und methodische Vielfalt des
Veranstaltungsangebotes.”
Richtig. Das Meinungsspektrum reichte von anarchistisch bis kommunistisch, von Sitzblockade bis Molotovcocktail, von Attac bis Autonom.
“Um dies zu schaffen, laden wir zurzeit zahlreiche Stiftungen, Institute,
Verbände, Organisationen, politische Gruppen und Einzelpersonen ein, an der
Themenwoche mitzuwirken.
Aber auch wir Studierenden bereiten eigene Veranstaltungen vor. Die
Themenwoche wird darüber hinaus von den meisten Hochschulgruppen, mehreren
Fachschaftsinitiativen, der OSI-Zeitung und der AG-Lehre getragen.”
Aber das reicht natürlich nicht. Alle müssen dabei sein.
“Doch bei allen Bemühungen sind wir uns dessen bewusst, dass für den Erfolg
des Projektes die Beteiligung der Lehrenden des OSI unbedingt notwendig ist.”
Unbedingt notwendig? Warum eigentlich? Warum dürfen die Lehrenden nicht einfach weiter lehren, was sie gerade lehren?
“Sie haben die Kapazitäten, eigene Veranstaltungen anzubieten und evtl. auch
Externe an das Institut zu holen. Daher bitten wir Sie eindringlich, sich am Veranstaltungsangebot der
Themenwoche zu beteiligen, indem Sie in der Woche vom 7. - 11. Mai Ihre
reguläre Veranstaltung ausfallen lassen und stattdessen eine selbst
konzipierte Veranstaltung anbieten, oder uns Zeit und Raum ihrer
Veranstaltung einfach zur Verfügung stellen.”
Was für eine Unverschämtheit! Es gibt auch Studenten, die sich für die Geschlechterverhältnisse in Nordirland, für die Religionssoziologie Emile Durkheims oder was weiss ich interessieren, jedenfalls nicht für den G8-Gipfel. Und es soll auch Menschen geben, die sich zwar privat mit der Globalisierung, an der UNI aber mit anderen Dingen beschäftigen, weil sie sich davon später einen guten Job erhoffen; mit so langweiligen Dingen wie Statistik etwa.
“Sollte dies nicht möglich sein, bitten wir Sie, wenigstens Ihre reguläre
Lehrveranstaltung in dieser Woche am Thema G8/Globalisierung zu orientieren
und sie für BesucherInnen zu öffnen. (..)”
Was soll denn das? Was, wenn die Studenten keine externen Besucher im Seminar haben wollen, weil diese die bisherigen Texte nicht gelesen haben? Was, wenn sie einfach keinen Bock auf das Thema haben?
“Mit freundlichen Grüßen,
die studentische Initiative ‘G8 am OSI’.
Dieser Brief, diese Themenwoche belegen die Selbstzentriertheit dieser Menschen. Die ganze UNI soll sich mit den neuesten Hip-Themen beschäftigen. Und dabei sollen alle ganz dolle kritisch und emanzipatorisch und engagiert sein.
Genau wie sie eben.
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Kategorie(n): Inland


