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  10.03.2010   12:33   +Feedback

Das Klima-Puzzle fügt sich weiter zusammen

Heute muss ein bisschen Eigenwerbung sein. Soeben ist die aktualisierte Ausgabe meines Buches “Hurra, wir retten die Welt - Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen” erschienen. Aus diesem Anlass hier ein Auszug aus dem Vorwort:

“Keiner mag Rechthaber. Deshalb macht recht haben nicht wirklich Spaß. Besonders dann nicht, wenn sich unangenehme Befürchtungen bestätigen.

Als ich die Aktualisierung dieses Buches in Angriff nahm, stach mir bei der Durchsicht des Textes von 2007 sofort der letzte Absatz des Kapitels „Eine Warmzeit verschwindet“ ins Auge. Darin äußere ich die Befürchtung, der Weltklimarat IPCC und die überschaubare Gruppe der ‚anerkannten’ Klimawissenschaftler, könne allzu starkem Gruppendenken zum Opfer fallen. Informationen, die die konventionelle Weisheit in Frage stellen, würden in solchen Gruppen von vorneherein ausgeschlossen oder als offenkundig falsch abgetan. Und damit wachse die Gefahr „gemeinsam Fehler zu begehen.“ (Siehe Seite 119)

Die Passage formulierte ich, wie gesagt, im Jahre 2007. Drei Jahre später ist aus der Vorahnung bedauerlicherweise Realität geworden. Im Zuge einer Affäre, die seit Ende 2009 als „Climategate“ Schlagzeilen macht, wurden tausende interne E-Mails der britischen Climate Research Unit (CRU) bekannt. Dieses Institut ist eine der zentralen Schaltstellen bei der Erstellung des Berichtes des „Weltklimarates“ IPCC. Und die Korrespondenz einiger der federführenden Wissenschaftler belegt: Statistiken wurden frisiert und nicht ins Bild passende Daten unter den Tisch fallen gelassen oder verheimlicht, Temperaturkurven mit allerlei Tricks auf das gewünschte Resultat hingetrimmt, dissidente Wissenschaftler diskreditiert und aus dem wissenschaftlichen Prozess ausgegrenzt. Nein, die Bestätigung, dass so etwas gleichsam im Herzen der Klimaforschung möglich ist, macht wirklich keinen Spaß.

Der bekannte deutsche Klimaforscher Hans von Storch vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht resümiert: „Die CRU-Mails belegen vor allem die Gründung eines Kartells zur Durchsetzung der Sicht und Wahrnehmung seiner Mitglieder, das dafür sorgen soll, dass abweichende Meinungen im wissenschaftlichen Review-Prozess scheitern, und wenn nicht, dann zumindest im IPCC-Prozess keine Rolle spielen“. Die Affäre ist geradezu ein Lehrstück dafür wie Wissenschaftler, die sich zum verlängerten Arm der Politik oder einer Weltanschauung machen, ihre Glaubwürdigkeit verspielen.

Aber es gibt noch eine ganze Reihe anderer Entwicklungen, die das 2007 von mir gezeichnete Bild vervollständigen. An dieser Stelle möchte ich nur die wichtigste nennen: Die Welttemperatur ist mittlerweile seit nunmehr zehn Jahren nicht mehr angestiegen. Das ist für die Klimabetrachtung ein kurzer Zeitraum, aber auch kein Pappenstiel. Daraus resultieren für die etablierte Klimawissenschaft unangenehme Fragen, weil die Schere zwischen Vorhersagen und tatsächlicher Temperaturentwicklung nun seit einem Jahrzehnt immer weiter auseinander geht. Das Klima hält sich partout nicht an die Computermodelle.

Die neuen Erkenntnisse für diese aktualisierte Ausgabe habe ich an die im Jahre 2007 verfassten Kapitel angefügt und kenntlich gemacht. Ich habe dieses Stilmittel ganz bewusst gewählt, weil diese Fortschreibung eine ganz eigene und wie ich finde aufschlussreiche Dramaturgie ergibt. Das 2007 in diesem Buch zusammengefügte Puzzle vervollständigt sich und ergibt ein noch schärferes Bild. Fast wie in einem Krimi. Bislang arbeitete die Zeit für viele Thesen, die ich in diesem Buch thematisiert habe. Aber auch das kann sich wieder ändern, beim Klima weiß man nie. Es geht eben nicht ums Rechthaben, sondern um so etwas wie rationale Distanz zu einer inzwischen völlig irrational gewordenen Debatte. Wie schrieb einst Karl Popper so schön: „Ein Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt zu lernen, als recht zu behalten.“


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Kategorie(n): Climategate  Wissen 

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