Dr. Alexander Gutzmer 24.08.2012 10:33 +Feedback
Das Kind, der Friseur und die Ökonomie
In deutschen Metropolen tobt bekanntlich der Straßenkampf zwischen hysterischen Hardcore-Eltern und fanatischen Beschwörern des Single-Lebens.
Hierzu eine kleine Begebenheit, die meiner Frau gerade in Schwabing widerfuhr. Sie wollte unseren Dreijährigen zum Friseur bringen – und wurde zu ihrer Überraschung resolut wie abrupt abgewiesen: Sie sei selber kein Kunde, schimpfte der Haarschneider; er sei es leid, dass „zu ihm immer nur die Kinder“ gebracht würden und sich die Mütter anderswo bearbeiten ließen.
Das ist natürlich nicht nett. Und natürlich ist er die Potenzialkundin nun bis in alle Ewigkeit los. Die Geschichte verweist aber auf einen Grundirrtum des gesellschaftlichen Diskurses zum Thema Kinder: den Irrtum nämlich, dass diese unglaublich bezaubernd seien, darüber hinaus die Zukunft des Landes – und dass es für jeden Friseur folglich eine Wonne sein müsste, die kleinen Racker zu enthaaren. Aufgrund dieser gesellschaftlichen Konvention sind Kinderhaarschnitte billiger. Es ist in Stadtteilen wie Schwabing oder dem Prenzlauer Berg, wo das Kind das Auto als Fetischobjekt abgelöst hat, nicht opportun festzustellen, dass es natürlich für jeden Friseur ein Horrorjob ist, die kleinen Biester zu frisieren (und ich weiß, wovon ich rede). Widerborstig winden sie sich auf ihren Stühlen, dahinter sitzen in Lauerstellung ambitionierte Muttis oder (noch schlimmer) Papis, die nur auf Anzeichen warten, dass ihren Engelchen körperlich oder seelisch Leid zugefügt wird.
Warum aber, frage ich mich, macht sich unser Schwabinger Friseur das Leben so schwer? Die Marktwirtschaft bietet für solche Situationen einen wunderbaren Lösungsmechanismus an: den Preis. Kinder sollten nicht für weniger Geld die Haare geschnitten bekommen als Erwachsene – sondern für deutlich mehr. Nicht 10 oder 15 Euro sollte ein Haarschnitt kosten, sondern 40 oder 50 Euro. Das wäre eine adäquate Gefahrenzulage. Der Friseur wüsste, wofür er die Strapazen auf sich nimmt – und stilbewusste Eltern könnten sich überlegen, ob ihnen der niedliche Bubikopf so viel wert ist.
Dieser Mechanismus lässt sich natürlich erweitern. Wenn Sie Kinder haben, kennen Sie den gequälten Gesichtsausdruck von Kellnern, in deren Restaurant Sie sich und Ihren krakeelenden Anhang niederlassen. Vollkommen verständlicherweise hat der gute Salvatore keine Lust auf den kleinen, nennen wir ihn Konstantin, der für vier Euro Kinderspaghetti ordern lässt, um die Tomatensoße im Umkreis von acht Quadratmetern gleichmäßig auf Boden, Wände und Mobiliar zu verteilen. Mein Vorschlag hier: ein Eintrittsgeld für Kinder. Fünf Euro vielleicht. Die infantile Kurtaxe – zur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens.
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Kategorie(n): Wirtschaft Bunte Welt

